Elektroweidezaun


Die grundlegende Wirkungsweise eines Elektrozauns liegt in der Abschreckung des Tieres gegenüber dem elektrischen Schlag, dem das Pferd (und auch der Mensch...) beim Berühren des Zaunes ausgesetzt wird.

Elektrozäune stellen für Pferde keine unüberwindliche Barriere dar wie etwa massive Einzäunungen, vielmehr ist es der Respekt vor dem Zaun, der das Tier am Ausbrechen hindert. Der enorme Vorteil von Elektrozäunen ist die günstige Anschaffung bei fast identischer Lebensdauer im Vergleich zu konventioneller Einzäunung und der hohe Grad an Mobilität: Elektrozäune lassen sich je nach Typ einfach und schnell versetzen, um beispielsweise ein Stück Wiese abzugrenzen.

Das Funktionsprinzip:

A: Weidezaungerät D: Isolator G: Bewuchs K: Erdungstab
B: Zuleitung Zaun E: Zaunpfahl H: Entladung L: Rückleitung
C: Litze F: Warnschild J: Erdboden

Das Weidezaungerät (A) erzeugt in regelmäßigen Abständen kurze Hochspannungsimpulse. Diese werden über die Zuleitung (B) zur Zaunlitze (C) geführt.

Die Litze (C) ist mittels der Isolatoren (D) an den Zaunpfählen (E) befestigt. Gemäß den Vorschriften warnt ein Schild (F) vor dem Elektrozaun.

Bewuchs (G) am Zaun verringert die Leistungsfähigkeit und somit die Hütesicherheit. Die Entladung (H) findet beim Berühren zwischen den Litzen (C) und dem Erdboden (J) statt.

Über den Erdungsanschluß (K), der zumeist als Staberder ausgeführt ist, wird das Zaungerät (A) über die Rückleitung (L) mit dem Erdboden (J) verbunden.

Die Anschlüsse des Weidezaungerätes bilden somit einen unter optimalen Bedingungen offenen Stromkreis zwischen dem Hochspannungsausgang und dem Erdanschluß, der erst beim Berühren des Elektrozauns geschlossen wird und den Effekt des elektrischen Schlags hervorruft. Dieser Schlag ist unangenehm, aber bei Geräten, welche die gültigen Vorschriften erfüllen, ungefährlich.


Das Weidezaungerät:

Das Herzstück eines Elektrozauns.

Man unterscheidet Zaungeräte grundlegend nach der Art ihrer Spannungsversorgung. Es gibt Geräte mit einer Versorgung über die 230 Volt Netzspannung, reine Batterie- oder Akkugeräte und Kombinationen von Akkugeräten mit integrierten oder abgesetzten Solarzellen.

Immer, wenn Netzspannung zur Verfügung steht, sollte man entsprechende Geräte wählen, da diese die geringsten Betriebskosten verursachen. Die höchsten Betriebskosten entstehen bei reinem Batteriebetrieb. Akkumulatoren müssen nachgeladen werden und sind in der Anschaffung (Ladegerät!) teurer. Kombigeräte aus Akku- und Solarbetrieb liegen in der Anschaffung oberhalb der Preisklasse anderer Geräte.

Um Geräte mit Batterie- / Akkubetrieb kommt man im allgemeinen immer dann nicht vorbei, wenn am Einsatzort keine Netzspannung zur Verfügung steht, bei abgelegenen Weiden oder als Wanderreiter. In solchen Fällen sind Akkubetriebene Geräte zu bevorzugen, in welchen die Akkus bei korrekter Pflege jede Batterie in der Lebensdauer schlagen.

Weidezaungeräte müssen den einschlägigen Vorschriften entsprechen. Hier kommen die VDE 0667 und die EN 61011 zum tragen. Geräte, welche die EN 61011 erfüllen, müssen keine Kennzeichnung der VDE 0667 tragen. Die EN 61011 ersetzt im Zuge der europäischen Harmonisierung die VDE 0667. Eine entsprechende Kennzeichnung ist dauerhaft auf den Weidezaungeräten anzubringen.

Einen Auszug über wichtige Bestimmungen für Installation und Betrieb von Elektrozäunen und Elektrozaungeräten finden sie hier.

Das CE-Zeichen findet sich auf den meisten Geräten. Ursächlich verantwortlich ist der Umstand, dass Weidezaungeräte mit Hochspannungen arbeiten. Immer, wenn sich diese Hochspannung entlädt, zum Beispiel am Bewuchs im Bereich des Elektrozauns, kommt es zur Bildung einer Funkenstrecke, die unter Umständen zur Funkstörung beitragen kann. Wichtig ist hier, dass das CE-Zeichen keinen Rückschluss über die Qualität das gekennzeichneten Gerätes zulässt. Es gibt lediglich an, dass das Gerät in den Anwendungsbereich der CE-Richtlinien fällt, dass die anzuwendenden Richtlinien beachtet wurden und die grundlegenden Sicherheits- anforderungen erfüllt werden. Missbrauch des CE-Zeichens kann mit Bussgeld belegt werden.

Die oben angeführten Bestimmungen enthalten auch Beschränkungen für Elektro (Weide-) zaungeräte: Die maximale Zaunspannung im Leerlauf darf nicht über 10.000 Volt, bei Körperberührung nicht über 5.000 Volt liegen. Die minimale Zaunspannung darf nicht unter 2.000 Volt liegen. Der Impulsabstand muss mindestens 1 Sekunde betragen, die maximale Entladenergie bei Körperberührung darf nicht mehr als 5 Joule betragen, entsprechend einem maximalen Entladestrom bei Körperberührung von nicht mehr als 10 mA.

Elektrozaungeräte, welche diese Begrenzungen nicht oder nicht mehr einhalten, dürfen nicht in Betrieb genommen oder in Betrieb gehalten werden.

Viele Hersteller und Händler werben mit dem im wahrsten Sinne des Wortes "schlagkräftigen" Argument einer hohen Ladeenergie. Diese Angabe ist aber irreführend. Sie gibt lediglich an, welche Energie das Gerät während des Aufladevorgangs aus dem Netz, der Batterie oder dem Akku entnimmt. Wie oben angeführt, ist nur die Entladeenergie maßgeblich, dassnur diese Angabe die tatsächliche, in den Elektrozaun abgegebene Energie angibt. Die maximale Entladeenergie ist daher für die Anschaffung eines Elektrozaungerätes ebenso wichtig wie die maximale Zaunlänge unter Belastung.

Auch bei der Angabe der maximalen Zaunlänge wird häufig etwas geschönt: Die VDE gibt für Elektrozaungeräte eine maximale, auch als theoretische Zaunlänge bezeichnete Größe an. Hier ist zu beachten, dass dieser Wert eine Zaunlänge angibt, bei der die durch die VDE geforderten mindestens 2.000 Volt an jedem Punkt noch erreicht werden, um die als hütesicher zu gelten. Als erforderlich werden in der Praxis aber Werte von nicht weniger als 3.000 Volt unter Belastung betrachtet. Als Belastung wird ein Widerstand von 500 Ohm vorausgesetzt, der in etwa der Berührung durch ein Tier oder einen Menschen entspricht. Die Angabe der Zaunlänge nach VDE ist legitim, entspricht aber leider nicht den Erfordernissen in der Praxis.

Achten Sie aus diesen Gründen bei der Anschaffung eines Elektrozaungerätes darauf, dass Sie aussagekräftige Angaben über die reelle, maximale Zaunlänge unter Belastung und die Entladeenergie erhalten.

Der Bewuchs:

Der Bewuchs gehört eigentlich nicht zu einer Elektrozaunanlage sondern wirkt sich eher negativ auf deren Funktion aus.

Am Bewuchs, der den Elektrozaun berührt, entlädt sich die Hochspannung. Hohe Endladeenergieen werden vor allem dann nötig, wenn trotz des Bewuchses eine hütesichere Spannung am Zaun aufrecht erhalten werden soll. Bei optimalen Bedingungen ohne jeglichen Bewuchs könnten die Elektrozaungeräte mitunter einiger Nummern kleiner ausfallen.

Von leichtem Bewuchs spricht man, wenn an einigen Stellen der Bewuchs bis an den Zaun heranreicht.

Der normale Bewuchs ist die häufigste Erscheinung. Hier reicht der Bewuchs fortlaufend bis an den Zaun, wie etwa ungeschnittenes Gras.

Der starke Bewuchs, bei dem der Zaun im Ganzen durch den Bewuchs verläuft, stellt die größte Herausforderung an das Elektrozaungerät.

Beim Bewuchs spielt auch die maximale Zaunlänge eine Rolle. Die maximale Zaunlänge gibt immer die einfache Länge eines kompletten Zaunes an und nicht die Gesamt- länge der einzelnen Zaunlitzen.

Das Zaunmaterial:

Oberstes Gebot bei Elektrozäunen in der Pferdehaltung: Das Pferd muss den Zaun auch sehen können!

Wird der Elektrozaun als alleinige Einzäunung eingesetzt, sollte zumindest die oberste Leitung aus dickem Kunststoffseil oder, besser noch, aus einem breiten Band bestehen. Bei Elektrozäunen, die parallel zu anderen, massiven Einzäunungen errichtet werden, kann auf diese Maßnahme verzichtet werden.

Zäune, die über einen längeren Zeitraum fest aufgebaut stehen bleiben sollen, können am günstigsten mit (feuer-) verzinktem Glattdraht ausgeführt werden. Bei Zäunen, die öfters mal versetzt werden, ist Draht nicht zu empfehlen.

Bei der Anschaffung sollte man darauf achten, dass innerhalb der Kunststoffseil oder -bänder möglichst viele elektrische Leiter befinden und diese aus hochwertigem Material bestehen. Je mehr Leiter enthalten sind, umso geringer ist der elektrische Widerstand und umso länger kann der Zaun ausfallen. Zaunlitzen aus gutem Material sind auch bei ungünstigen Witterungverhältnissen über lange Zeiträume stabil, reißfest und verrottungsbeständig.

Das Warnschild:

Nähert sich der Elektozaun Verkehrswegen, so ist nach VDE 0667 / 0131 bzw. EN 61011 eine Kennzeichnung erforderlich.

Diese Kennzeichnung ist im Abstand von nicht mehr als 100 Metern anzubringen. Die Warnschilder müssen mindestens 200mm breit und 100mm hoch sein. Die Grundfläche beider Seiten muss gelb sein. Es muss ein Bildzeichen und / oder ein Warnhinweis mit dem Text: "Vorsicht, Elektrozaun" bei einer Schriftgröße von mindestens 25mm enthalten. Die Beschriftung muss dauerhaft ausgeführt sein. Elektrozäune an Verkehrswegen ohne eine entsprechende Kennzeichnung dürfen nicht betrieben werden.

Die Erdung:

Die grösste Schwachstelle eines Elektrozauns. Die meisten Probleme am Zaun lassen sich auf eine schlechte, unzureichende Erdung zurückführen. Gut geerdete Geräte stellen fast eine Ausnahme dar.

Bei Geräten mit Netzspannungsversorgung oder fest installierten Batterie- / Akkugeräten reicht in der Regel ein Staberder aus, der mindestens 1 Meter in den Boden eingeschlagen wird. Unter ungünstigen Verhältnissen wie etwa Trockenheit, sandigem oder steinigem Boden kann die Erdung effektiver ausgeführt werden, wenn zusätzliche Staberder im Abstand von etwa 1 Meter eingesetzt und mit einer Leitung verbunden werden. Alternativ kann auch die Länge eines Staberders erhöht werden.

Tipp: Ist am Erdungsanschluß noch Spannung messbar, ist die Erdung der Zaunanlage nicht ausreichend. Die Elektrozaunanlage kann in diesem Fall nicht einwandfrei arbeiten.

Die elektrischen Anschlüsse der Erdung sollten verschraubt und nicht gesteckt sein, um eine gute Verbindung zu gewährleisten. Als Leitung empfiehlt sich verzinkter Glattdraht, um Korrosionserscheinungen bei Verbindungen von Kupferleitung und verzinktem Staberder zu verhindern. Der Leitungsquerschnitt vom Staberder zum Gerät sollte so groß wie möglich gewählt werden.

Tragbare Batterie- oder Akkugeräte bringen in vielen Fällen den benötigten Erder gleich mit, er dient dann gleichzeitig zum Aufstellen des Gerätes. Unter Umständen ist es dennoch erforderlich, eine zusätzliche Erdung zu schaffen, um die Leistung des Gerätes voll nutzen zu können. Auch hier können, wie oben beschrieben, weitere Staberder zusammen geschlossen werden.

Tipp: Pflegen Sie die Verbindungsstellen von Staberder und Leitung regelmäßig mit handelsüblichem Polfett, welches auch bei Autobatterien Anwendung findet.

Die Leitungen:

Wichtig ist bei den Zuleitungen (und auch beim Erdungsanschluß) ein ausreichender Querschnitt, der so groß wie möglich gewählt werden sollte und eine hochspannungsfeste Isolierung. Leitungen, wie sie z.B. bei normalen Elektroinstallationen Verwendung finden, sind in der Regel ungeeignet, dasshier die Isolierung nur bis 1.000 Volt zugelassen ist. Ferner wird die Isolierung solcher Leitungen im Freien durch UV-Einstahlung zersetzt und im Boden durch Erdalkalien angegriffen. Das Kupfer reagiert zudem mit dem Zaunmaterial, es kommt zu Korrosionen, welche zu einer Verschlechterung der Übergangswiderstände führen kann.

Der Vorzug ist hier Stahldraht, wenn möglich in verzinkter Ausführung, zu geben.

Die Länge sollte so lang wie nötig und so kurz wie möglich gewählt werden. Zusammen mit einem großen Querschnitt werden so Spannungsabfälle über die Zuleitungen vermieden bzw. vermindert.

Leitungen im Erdreich sollten in einem stabilen Kunststoffrohr verlegt werden und, insbesondere bei längeren Strecken und fest installierten Anlagen, mindestens 80 cm tief verlegt werden, wenn möglich noch tiefer. Es empfiehlt sich, zusätzlich ein Markierungsband längs über der verlegten Leitung mit zu vergraben. Öffnungen der Rohre sind gegen das Eindringen von Feuchtigkeit zu schützen.

Die Isolatoren:

Die Isolatoren dienen, wie der Name schon sagt, zur isolierten Befestigung des spannungs- führenden Zaunmaterials. Die primäre Auswahl richtet sich nach der Art des Zaunmaterials, also beispielsweise Seil, Band oder Draht. Bei einem Teil der erhältlichen Isolatoren können so etwa Bänder und Seile wahlweise montiert werden.

Ein weiteres, für die Funktion wichtiges Kriterium ist eine möglichst große Kriechstecke. Dies ist der Abstand vom Zaunmaterial zur Befestigung. Je größer diese Strecke ist, desto geringer ist die Gefahr von Funkenüberschlägen bei Nässe oder Feuchtigkeit (Regen, Tau, Eis..). Diese Funkenüberschläge wirken sich negativ auf die Funktions- und Hütesicherheit des Elektrozauns aus.

Die Befestigung wird nach der Art des Untergrundes gewählt, also beispielsweise Holzpfähle oder Steinwände.

Die Isolatoren sollten stabil ausgeführt sein, um auch größere Kräfte auszuhalten, die z.B. beim Spannen des Zaunmaterials entstehen. Auch bei verschiedenen Witterungseinflüßen müssen die Isolatoren standhalten, etwa Sonneneinstrahlung oder Frost.

Grundsätzlich sollte man bei der Anschaffung primär auf gute Qualität und erst sekundär auf den Preis achten.

Querverbindungen ?

Planen Sie, gerade bei langen Zäunen, in regelmäßigen Abständen Querverbindungen ein.

Bei diesen Verbindungen werden alle Litzen eines Zaunes von oben nach unten mitein- ander elektrisch verbunden. Durch diese Verbindungen erreichen Sie auch bei sehr langen Zäunen eine hohe Hütesicherheit.

An Zäunen mit starkem Bewuchs sollte nach jeweils rund 200 Metern, an Zäunen mit weniger Bewuchs nach etwa 400 Metern eine Quer- verbindung eingefügt werden. Die Verbindungen werden vornehmlich verschraubt.


Weidezaun mit 2 oder 3 Litzen?

 

Bei der Wahl, ob der Elektrozaun mit zwei oder drei Drähten, Seilen oder Bändern aufgebaut wird, ist eine Entscheidung vorwiegend davon abhängig, ob der betreffende Zaun nur als Zwischen- bzw. Innenzaun dient oder aber als Abzäunung nach außen.

Bei Innenzäunen kann man in der Regel auf eine dritte Leitung verzichten, wogegen bei einem Außenzaun diese dritte Leitung als erforderlich zu betrachten ist.

Bei reinen Innenzäunen besteht zudem die Möglichkeit, den Zaun im Ganzen bis zu etwa 15 cm niedriger auszulegen.

Die Montagehöhe der Elektroleitungen richtet sich danach, ob vorwiegend Ponys, Klein- oder Grosspferde gehalten werden. So kann man sich als allgemeine Empfehlung nach den in den rechts aufgeführten Grafiken angegebenen Montagehöhen richten.

Alle Maßangaben beziehen sich auf den Abstand zwischen Erdboden und der Mitte der Zaunlitze.

Für eine Abgrenzung auf die Schnelle, um etwa eine Wiese zu verkleinern, reicht es im Normalfall aus, einen Zaun mit einer Litze in einer Höhe von etwa 100 cm zu ziehen, zum Beispiel mit praktischen Kunststoffpfählen.

Nur sollte darauf geachtet werden, dass die Litze in diesem Fall zwischen zwei Befestigungspunkten nicht zu stark durchhängt, lieber den Abstand der Pfähle verringern.

Zäune mit zwei Litzen
Kleinpferde Großpferde
A: 120cm A: 140cm
B: 65cm B: 80cm
Zäune mit drei Litzen
Kleinpferde Großpferde
A: 120cm A: 140cm
B: 75cm B: 95cm
C: 45cm C: 50cm