Filarien


Onchozerkose dürfte wohl der am weitesten bekannte Begriff für eine durch Filarien hervorgerufene Erkrankung sein. Diese Filarien zählen zu den Nematoden. Die zwei nun folgenden Arten treten weltweit auf, während Parafilaria multipapillosa fast nur bei Importpferden aus Ost- oder Südeuropa vorkommt.

Ein Befall mit diesen Parasiten ist mit den gängigen Wurmmitteln nicht zu bekämpfen, im Anfangsstadium können die betroffenen Partien punktiert und mit Corticoid- und/oder Penicillinhaltigen Mitteln unterspritzt werden, im fortgeschritten Stadium hilt in der Regel nur noch ein operativer Eingriff.

Die oben erwähnte Onchozerkose wird von den Filarienarten Onchocerca reticulata und Onchocerca cervicalis verursacht. Diese beiden Arten leben bevorzugt in den Bereichen der Sehnen betroffener Pferde.



Culicoides-Mücke

Wie zu Beginn beschrieben, tritt der Parasit Parafilaria multipapillosa in unseren Breiten eher selten auf den Plan, importierte Pferde können betroffen sein, die aber i.d.R. für ihre Artgenossen keine Gefahr darstellen.

Onchocerca cervicalis bevorzugt in der ausgewachsenen, geschlechtsreifen Form den Bereich des Nackenbands. Die Mikrofilarien wandern von dort Richtung Unterbauch, teilweise auch zur Flanke, und setzen sich im Unterhautbindegewebe fest. Culicoides-Mücken nehmen die Mikrofilarien dort auf und dienen ihnen für die nächsten etwa 21 Tage als Zwischenwirt.

Für die Übertragung des Parasiten auf andere Pferde sind bestimmte Fliegenarten verantwortlich, die in unseren gemäßigten Klimazonen nicht existieren können. Im Normalfall gelangen die Larven III in diesem Stadium mittels dieser Fliegen auf die Haut der Pferde. Von dort wandern die rund 7cm langen Weibchen direkt unter die Haut und verusachen blutgefüllte Zysten.

Die Übertragung auf das Pferd als Endwirt erfolgt beim Stechen, die Filarien erreichen auf diesem Weg wieder den Pferdeorganismus und wandern von der Stichstelle zum Nackenband.



Onchocerca microfilariae

In diese Zysten legt das Weibchen die Eier ab. Etwa im Sommer gibt das Gewebe rund um die Zysten nach, sie brechen auf und die Parasiteneier gelangen in die Umwelt.

Am Nackenband zeigen sich einige Zeit nach einem Befall mit O. cervicalis brüchige Stellen von grünlich-grauer Färbung, die im Laufe der Erkrankung an Größe zunehmen und verkalken, ihre harten, scharfen Kanten und Bruchstellen führen zur Bildung von Ödemen, falls z.B. der Sattel scheuert.

Vertreter von Onchocerca reticulata führen im Laufe der Zeit zu schmerzbedingter Lahmheit, da sie kleine Knoten an den Stützbeinen ausbilden. Durch abgestorbene Parasiten an der Oberfläche und noch lebende darunter, schwellen die Sehnen für diese Erkankung typisch an und können dem Tierarzt so einen Befall mit Onchocerken verraten.

Diese offenen Wundstellen locken die Fliegen. Die Eier werden von den Fliegen als Zwischenwirt aufgenommen. Innerhalb von gut 14 Tagen entwickeln die Parasiten sich bis zum Stadium III und der Kreislauf beginnt erneut.

Die Zysten zeigen sich an der Hautoberfläche vor allem in den Sommermonaten als harte Knoten an exponierten Stellen wie etwa Hals, Schulter oder Rücken. Bei längerer Sonneneinstrahlung platzen diese Knoten auf und sondern Flüssigkeit ab, die Fliegen anzieht. In der austretenden Flüssigkeit im Labor nachzuweisende Eier dienen der Diagnose. Selten finden sich Mikrofilarien sichtbar in solchen Bereichen.

Der Nachweis dieser Filarien erfolgt mittels Proben von Gewebe und Gewebeflüssigkeit, in welchen sich entweder Teile der Würmer oder Mikrofilarien finden.

Es kann vorkommen, dass Mikrofilarien dieser Arten in Horn- und Bindehaut am Auge auftreten und in der Folge Augenentzündungen auslösen.



Parafilaria multipapillosa

Parafilaria multipapillosa reagiert nicht auf die gängigen Anthelminthika. Erfolge konnten fast nur mit Wirkstoffen auf Phosphorsäureesterbasis erzielt werden.

Die Symptome klingen in der Regel nach dem Sommer ab, das heißt aber nicht, dass der Befall des Parasiten ein Ende gefunden hat:

Ein Zusammenhang zwischen den Mikrofilarien und der periodischen Augenentzündung (ERU) wird stellenweise vermutet, der schlüssige Nachweis konnte bis jetzt aber nicht erbracht werden.

Bei nahezu allen betroffenen Pferden treten die Parasiten ohne eine entsprechende Behandlung im nächsten Sommer wieder auf.