Schale
Die Schale ist ein Überbein an oder im Bereich von Krongelenk, Fesselgelenk oder Hufbein. Diese Überbeine stellen durch Auslöser wie zum Beispiel fehlerhafter Hufbeschlag, Fehlstellungen der Gliedmaße, falsches Reiten oder Verletzungen hervorgerufene, entzündliche Knochenwucherungen dar. Diese Faktoren begünstigen eine Reizung der empfindlichen Knochenhaut (Periost). Die Knochenhaut (auch: Beinhaut) ist ein den Knochen umhüllendes, sehr nerven- und gefäßreiches Bindegewebe, bestehend aus einer faserigen Außenschicht und einer tiefer liegenden, zellreichen und mit vielen Kapillargefäßen durchzogenen Kambiumschicht. Von dieser Kambiumschicht geht das Dickenwachstum des Knochens aus.
Auf Reizungen kann die Knochenhaut mit entzündlichen Prozessen (Periostitis, Knochenhautentzündung) reagieren. Im Laufe einer Periostitis wird vermehrt Knochengewebe produziert, es kommt zu einer Verdichtung und Verdickung der Knochenhaut (Periostose). Bei einer übermäßigen Neubildung von Knochengewebe bilden sich Überbeine (Exotosen, "Auswuchs"). Im Bereich von Krongelenk, Fesselgelenk und Hufbein auftretende Exotosen werden dann als Schale bezeichnet.
Sitzen die Exotosen direkt auf den Gelenkflächen, spricht man von einer Gelenkschale oder artikulärer Schale, bei Exotosen in unmittelbarer Umgebung des Gelenks von einer gelenknahen Schale oder auch periartikulärer Schale (Articulatio = lat. Gelenk, peri... = Wortteil für "ringsum").
Bei einer Gelenkschale ist die Bewegung des Gelenks wesentlich stärker beeinträchtigt als bei gelenknaher Schale, zudem verursachen Gelenkschalen beim Pferd mehr Schmerzen. Die Gelenkschale stellt eine Osteoarthrose dar, eine etwa dem Spat vergleichbare, degenerative (= von der Norm funktionell oder formal abweichend, im Sinne einer Funktionsminderung) Gelenkerkrankung, welche im Verlauf das Gelenk aufgrund eines Mißverhältnisses zwischen Tragfähigkeit und Belastung zunehmend in seiner Funktion beeinträchtigt und ím weiteren zu einer fortschreitenden Zerstörung des Gelenkknorpels führt.
Bei Pferden gilt die Krongelenksschale als die häufgste Form dieser Erkrankung, gefolgt von der Schale am Hufgelenk. Wesentlich seltener tritt eine Schale am Fesselgelenk auf. In der Regel wird noch zwischen hoher und tiefer Schale unterschieden. Bei hoher Schale zeigen sich die Knochenwucherungen an der oberen Hälfte des Krongelenks oder der unteren Hälfte des Fesselgelenks, bei tiefer Schale an der unteren Hälfte des Krongelenks oder der oberen Hälfte des Hufbeins (siehe auch: Skelett).
Jede Form der Schale kann grundsätzlich an allen vier Gliedmaßen auftreten, wobei jedoch die vorderen Gliedmaße häufiger betroffen sind. Bei einer Schale auf beiden Körperseiten wird auch der Begriff Leist benutzt, sind alle vier Beine betroffen, spricht man von Ringbein.
Schale wird vorwiegend als Altererscheinung betrachtet. Die Knochen werden mit zunehmendem Alter instabil, Bänder und Sehnen sind überdehnt und können die Gelenke nicht mehr ausreichend stützen. Bei jungen Pferden tritt eine Schale zumeist als Folge von Verletzungen auf. Hierbei insbesondere nach Frakturen, tiefen Verletzungen im Bereich der Fessel oder nach Tritten anderer Pferde. Auch bei Störungen im Stoffwechsel der Knochen steigt besonders für junge Pferde das Risiko einer Schale.
Kaltblüter sind bedingt durch das auf den Gelenken lastende Körpergewicht eher betroffenen. Gleiches gilt für Arbeits- und Zugpferde, die bei hohen Belastungen fast nur im Schritt gehen. Typische Kandidaten für eine Schale sind auch Spring- und Westernpferde. Bei ihnen werden die Gelenke zum Teil extremsten und immer wiederkehrenden Belastungen ausgesetzt, etwa beim Sliding Stop. Bei diesen Pferden tritt fast nur die Gelenkschale auf. Eine Schale läßt sich insbesondere im Anfangsstadium nur relativ schwer erkennen, für den Laien so gut wie überhaupt nicht, in der Regel ist für eine zweifelsfreie Diagnose immer eine Röntgenaufnahme erforderlich. Das liegt auch an dem Umstand, dass sich die Schale zu Beginn ähnlich dem Spat entwickelt. | dasseine Schale zu mehr oder minder starker Schmerzeinwirkungen beim Pferd führt und auch die Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit des betroffenen Gelenks zumeist sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, zeigen die Tiere verschiedenste Symptome: So lahmt ein Teil der Tiere bereits kurz nach dem Auftreten einer Schale, andere erst bei fortgeschrittener Erkrankung. Es kann zu einer Trachtenfußung (der Huf wird mit dem hinteren Teil zuerst hart aufgesetzt) kommen, im Stand werden die Vorderhufe ähnlich einer Hufrehe weit nach vorne gestellt oder es zeigen sich zunehmend unklare Gänge. Häufig stehen die Haare am Kronsaum gut sichtbar ab und das Bein zeigt (insbesondere zu Beginn der Schale) druckschmerzempfindliche Schwellungen im Bereich von Kron- oder Fesselgelenk. Im Verlauf einer Krongelenksschale bilden sich in den meisten Fällen harte, irreversible Schwellungen am Kronsaum.
Die besten Aussichten auf eine vollständige Heilung gibt es bei früh erkannten gelenknahen Schalen. Sind die Wucherungen noch weich, läßt sich das Bein mit einem Verband ruhigstellen. Erfolg zeigt sich aber nur, wenn zeitgleich die auslösende Ursache der Schale beseitigt wird, wie etwa Stellungsfehler oder falscher Beschlag. Die Behandlung dauert lange: Der Verband muss in der Regel mindestens vier Wochen angelegt bleiben, danach muss das Tier noch für rund vier Monate im Stall bleiben und darf erst anschließend wieder vorsichtig geritten werden.
Als Alternative zur Verbandbehandlung bietet sich bei gelenknaher Schale die Stoßwellentherapie an. Stoßwellen sind im Grunde nichts anderes als kurze, sehr energiereiche Schallwellen, die von außen in den Körper eindringen (daher auch als extracorporale Stoßwellen bezeichnet). Diese Stoßwellen werden heute zumeist elektromagnetisch erzeugt. Sie wirken durch eine Druck- und Zugwirkung auf tiefer liegendes Gewebe. Die Stoßwellentherapie zeigt im allgemeinen sehr gute Ergebnisse. Normalerweise sind drei Behandlungen im Abstand von jeweils einer Woche erforderlich, um eine gelenksnahe Schale zu behandeln.
Diese Behandlung kann ambulant durchgeführt werden, ist aber mit hohen Kosten verbunden. Auch ist das Pferd im Anschluß an eine Behandlung nicht sofort wieder voll belastbar, die Reitbarkeit läßt sich jedoch fast immer wieder voll herstellen.
Parallel zu diesen Maßnahmen kommt noch der Einsatz verschiedener Medikamente wie etwa Cortison in Betracht, um der Entzündung entgegenzuwirken. Mit direkt in das Gelenk gespritzter Hyaluronsäure, einem Bestandteil der Gelenkschmiere (Synovia), kann der Gelenkknorpel wieder aufgebaut werden.
Schwieriger als gelenknahe Schalen sind die Gelenkschalen:
Pferde mit einer Gelenkschale sind als Folge dieser Erkrankung nicht zwangsläufig unreitbar. Die Schale ist zwar unheilbar, dassdie Knochenwucherungen nicht reversibel sind, aber durch eine zunehmende Verknöcherung des betroffenen Gelenks versteift sich dieses im Verlauf der Schale praktisch von allein. Dieses versteifte Gelenk ermöglicht eine weitere Nutzung des Pferdes. Wobei mit Nutzung hier ganz deutlich die freizeitmäßige Reiterei und nicht der Leistungssport gemeint ist.
Da die Gelenkschale an sich unheilbar ist, kann man nicht konkret von einer Behandlung sprechen. Ziel ist es vielmehr, im Rahmen einer Therapie die Entzündung zu stoppen (Medikamentös, siehe oben) und so dem Tier den Schmerz zu nehmen sowie eine Versteifung des betroffenen Gelenks zu beschleunigen. Diese Versteifung kann bei einer Krongelenksschale auch operativ erfolgen. Man kann gegen Schale vorbeugen. So zum Beispiel bereits beim Fohlen auf Stellungsfehler achten und korrigieren lassen, ausgewogene Fütterung und artgerechte Haltung mit viel Auslauf sollten eigentlich selbstverständlich sein. Die Tiere langsam und nicht zu früh ausbilden so wie entsprechend ihrer Konstitution belasten. Gute Hufpflege gehört ebenso zu den vorbeugenden Maßnahmen wie eine korrekte Behandlung bei Verletzungen. |
