Koppen


Das Koppen ist eine weitverbreitete Verhaltensstörung bei Pferden. Koppen wird wie das Weben zu den Stereotypien gezählt. Stereotypien sind solche Verhaltensmuster, die ständig ohne erkennbares Ziel und Funktion und ohne Zusammenhang mit der aktuellen Situation wiederholt werden. Stereotypien sind bei wildlebenden Tieren gänzlich unbekannt. Je nach Erscheinungsbild wird das Koppen beim Pferd zwischen Aufsetz- und Freikoppen unterschieden.

Das Koppen zählte bisher auch zu den Gewährsmängeln.

 

Der Ablauf bei einem Koppvorgang ist in der Regel immer identisch: Der Aufsetzkopper setzt die oberen Schneidezähne auf einen festen Gegenstand, beispielsweise die Boxentür, auf, der Freikopper bewegt seinen Kopf zur Brust und von dort ruckartig nach vorne. In beiden Fällen erfolgt eine Kontraktion der unteren Halsmuskulatur. Bedingt durch diese Kontraktion werden der Zungengrund und Kehlkopf herunter gezogen, der Schlundkopf erweitert sich und es kommt zu einem Unterdruck im Bereich der Speiseröhre.

 

Die Speiseröhre wird durch den Unterdruck erweitert, Atemluft gelangt über den Schließmuskel am Kehlkopf in die Speiseröhre. An diesem Schließmuskel entsteht auch durch die einströmende Luft der typische, an Rülpsen erinnernde Kopperton. Ist dieser Vorgang beendet, erschlafft die Halsmuskulatur und das Pferd läßt den Kopf hängen.

 

Häufig wird schlicht Langeweile als Auslöser für das Koppen betrachtet. Korrekt ist, dass Pferde mit wenig Auslauf und mangelndem Kontakt zu Sozialpartnern eher zum Koppen neigen. Aber auch eine Fütterung mit minderwertigem Futter, speziell bei zu geringem Rauhfutteranteil, und strohlose Einstreu in der Box können auf Dauer zum Koppen führen.

 

Zudem sind ebenfalls Faktoren im Erbgut als Ursache für das Koppen bekannt geworden. So werden Kaltblutpferde und Ponyrassen weniger oft zu Koppern als Araber und Vollblüter. Bei einigen Vollblut-Hengstlinien beträgt der Anteil an Koppern bis zu 30%, im Gegensatz zu den maximal rund 7% bei anderen Rassen, hierbei jeweils abhängig von Verwendung und den Haltungsbedingungen.

 

Den Kopper von Geburt an gibt es in der Regel nicht. Bei Fohlen muß das typische Krippenwetzen vom Koppen unterschieden werden. In vielen Fällen tritt das erstmalige Koppen als Folge drastischer Änderungen im Leben eines Pferdes auf, wie z.B. bei Umstellung der Haltungsbedingungen, Stallwechsel oder krankheitsbedingter Bewegungseinschränkung und Isolationshaltung.

Der Nachweis, dass einige Pferde sich das Koppen von anderen Artgenossen abschauen, ist nicht schlüssig erbracht. Wenn sich das Koppen vermehrt in einer Herde oder einem Stall zeigt, liegt es allgemein am Umstand der gleichen oder ähnlichen Haltungsbedingungen.

Es kommt vor, dass allein das Ausmisten der Box bei einem Pferd zum Koppen führt. Oder die Tiere beginnen damit beim Putzen oder Satteln. Sehr oft kommt als Auslöser die Gabe von Leckerbissen oder besonders begehrten Futtermitteln in Frage.

 

Bei langjährigen Koppern läßt sich nach geraumer Zeit kein direkter Zusammenhang zwischen der jeweiligen Situation und dem Koppen mehr erkennen.

 

Durch das Koppen wird die untere Halsmuskulatur übermäßig stark ausgebildet, bei Aufsetzkoppern kommt es zu einer verstärkten Abnutzung der oberen Schneidezähne. Ob es in Folge des Koppens zu einer verminderten Aufnahme von Futtermitteln und dadurch auch zu Koliken kommen kann, ist nicht stimmig nachgewiesen, wird aber in Betracht gezogen.

 

Grundsätzlich sollten bei einem Kopper die Haltungsbedingungen überprüft und gegebenenfalls verändert bzw. verbessert werden. Zu vernünftigen Haltungsbedingungen gehören viel Bewegung auf der Weide, ausreichender Kontakt zu anderen Pferden und eine ausgewogene Ernährung.

 

Stroh als Einstreu führt zu einer Beschäftigung des Pferdes, vorausgesetzt, es sprechen keine gesundheitlichen Gründe dagegen. Wird der Anteil an Rauhfutter im Verhältnis zum Kraftfutter erhöht, verlängern sich die Freßzeiten. So kann sich das Pferd einen größeren Teil des Tages mit dem Fressen beschäftigen.

 

Verschiedene Maßnahmen können ergriffen werden, um das Tier vom eigentlichen Koppen abzuhalten. Bekannt ist sicher der Kopperriemen. Mir diesem Riemen wird bei Anspannung der Halsmuskulatur ein Schmerzreiz auf diese Muskulatur und den Kehlkopf ausgeübt. Drastisch ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem die untere Halsmuskulatur teilweise entfernt bzw. in ihrer Funktion eingeschränkt wird. Diese Vorgehensweisen sind nur symptomatischer Natur, verhindern also nur das Koppen, beseitigen aber nicht die eigentlichen Ursachen.