Knochenentzündung


Die Knochenentzündung (Ostitis) wird häufig als der Oberbegriff für alle am Knochen auftretenden Entzündungen genannt.

Korrekt bezeichnet diese Ostitis nur eine Entzündung der außenliegenden Knochenrinde (Substantia compacta), wogegen die im inneren des Knochens liegende Substantia spongiosa nicht betroffen ist. Die S. spongiosa ist eine schwammartige Substanz an den Enden des Knochens, welche sich aus Knochenröhrchen, -bälkchen und -plättchen zusammensetzt. Im Schaft des Knochens, praktisch von der S. spongiosa eingeschlossen, findet sich das Knochenmark, dessen Hauptaufgabe die Blutbildung ist. Tritt an dieser Stelle eine Entzündung auf, spricht man von einer Osteomyelitis.

 

Die Knochenrinde wird von der Knochenhaut umhüllt. Die Aufgabe dieser Bindegewebsschicht ist die Bildung / Regeneration der Knochensubstanz mit Hilfe der Osteoblasten (Zellen zur Knochenbildung). Eine hier auftretende Entzündung wird als Periostitis bezeichnet. Die drei Formen werden alleine aufgrund des Umstands, dass sie sich nur selten exakt auseinander halten lassen, allgemein als Knochenentzündung geführt. Erschwerend kommt hinzu, dass häufig die einzelnen Entzündungen ineinander übergehen, normalerweise von aussen nach innen, also von der Knochenhaut über die Knochenrinde auf das Knochenmark.

 

Werden Knochenentzündungen nicht korrekt therapiert, besteht die Gefahr, dass sie sich auch beispielsweise auf Knorpel (Osteochondritis) oder Gelenke (Osteoarthritis) ausweiten. Die mit Abstand häufigste Ursache für Knochenentzündungen sind stumpfe Verletzungen, mit Ausnahme der Osteomyelitis: Diese folgt zumeist auf eine Allgemeinerkrankung. So zum Beispiel, wenn sich das Pferd hart an Gegenständen stößt. Oft wird bei solchen Stößen die Knochenhaut so gereizt, dass sich eine Schwellung bildet. Im Grunde stellt dieser Umstand für ein gesundes Tier kein Problem dar: Die Reizung vergeht, die Schwellung läßt nach und kurze Zeit später ist nichts mehr zu erkennen.

 

Problematisch wird es immer dann, wenn die Selbstheilung versagt. Sind die Knochen nicht ausreichend mit Mineralien, speziell Kalzium, versorgt, zeigen sie sich stark anfällig bei Reizungen der Knochenhaut und reagieren mit einer Entzündung. Diese Entzündungen laufen aseptisch, also ohne Einfluß von Krankheitserregern ab. Gerade bei jungen Pferden, die zu früh belastet werden, können sich die Knochen nicht richtig entwickeln, sie enthalten durchweg zu wenig eingelagertes Kalzium. Ein gefährlicher Umstand, der ein Leben lang anhält.

 

Auch Fehler in der Fütterung oder schlechte Haltungsumstände bedingen einen Kalziummangel: Permanente Stallhaltung wirkt sich negativ aus, Hafer oder junges Weidegras enthält kaum Kalzium. Wird im Winter dann zu viel phosphorhaltiges Futter gegeben (Kleie), so wird dadurch die Aufnahme von Kalzium behindert.

Septische, also durch in den Körper eingedrungene Krankheitserreger verursachte Knochenentzündungen, treten z.B. bei offenen Frakturen auf. Grundsätzlich kann man hier sagen, dass nur die septische Form der Knochenentzündung mit Fieber abläuft.

Bei den zu Beginn genannten, aseptischen Entzündungsformen wird in der Regel eine Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten eingeleitet, bei septischen Formen kommen Antibiotika und Sulfonamidverbindungen in Betracht. Unterstützend gegen Schmerzen und Schwellungen wirken kühlende Umschläge und Verbände, nach Abklingen der entzündlichen Prozesse hilft Wärmezufuhr. Relativ neu sind Behandlungen mit Laser und Magnetfeld, umstritten ist der Einsatz von Stoßwellen.

 

Wird eine Entzündung nicht korrekt und frühzeitig therapiert, kann es erforderlich sein, die (vereiterte) betroffene Knochensubstanz operativ zu entfernen. Je nach Lage der Entzündung kann eine Behandlung wenige Tage bis hin zu mehreren Monaten dauern. Die Risiken bei diesen Erkrankungen: Häufige Knochenentzündungen im Bereich des Unterkiefers stellen ein besonderes Risiko dar: Hier bilden sich recht oft aus "harmlosen" Knochenentzündungen gefährliche Osteosarkoide oder -karzinome. Diese bösartigen Tumore sind nur in Einzelfällen erfolgreich zu behandeln.

 

Bei septischen Formen können die Krankheitserreger vom Knochenmark aus in die Blutbahn gelangen und zu einer in der Regel letal verlaufenden Blutvergiftung führen. Ist das Knochenmark betroffen, so bilden sich dort oft Abzesse, die durch die Knochenhaut stoßen und eine erhöhte Bruchgefahr des Knochens bedingen. Gleiches gilt allgemein für Knochen mit verminderter Mineralisierung: Diese brechen generell leichter.

 

Der beste Schutz stellt eine ausgeglichene Ernährung dar, wobei hier besonders der Phosphor-Kalzium-Haushalt Beachtung finden sollte. Im Normalfall soll mindestens die gleiche Menge Kalzium wie Phosphor im Futter enthalten sein, besser ist ein Verhältnis von Ca/Ph-Verhältis von etwa 2:1. Besteht der Verdacht, dass sich die Knochenentzündungen fütterungsbedingt mehren, kann eine genaue Bedarfsanalyse weiterhelfen, unter Umständen empfiehlt sich auch eine Analyse der verwendeten Futtermittel.