Kissing Spine
Kissing spine kennzeichnet eine für das Tier sehr schmerzhafte Veränderung der Rückenwirbelsäule. Der Begriff Kissing Spine hat sich im Laufe der Zeit speziell bei erkrankten Pferden etabliert. Frei übersetzt bedeutet er "berührende Wirbel". Genauer betrachtet berühren sich bei Kissing Spine die Dornfortsätze der Rückenwirbel.
Diese bei Pferden nach oben zeigenden Dornfortsätze stehen bei gesunden Tieren mit einem Abstand zueinander. Wird die Rückenwirbelsäule übermäßig stark gekrümmt (Hyperlordose), verringert sich dieser Abstand und die Dornfortsätze können sich berühren und gegenseitig abschleifen. Gleichzeitig erhöht sich der Druck auf das zwischenliegende Gewebe. Bei extremen Formen kann es zu Zerquetschungen des betroffenen Gewebes kommen.
Im weiteren Verlauf der Erkrankung bilden sich an den Enden der berührenden Dornfortsätze so genannte Nearthosen aus. Diese Neugelenke (griechisch: neo=neu / arthos=Gelenk) können bei längerem Bestehen zu Überlastreaktionen führen und sich in der Röntgendiagnostik als arthroseähnliche Veränderungen zeigen.
Diese Veränderungen wurden erstmals im Bereich der Humanmedizin von dem dänischen Röntgenarzt Christian Ingerslev Baastrup (1885-1950, Kopenhagen) dokumentiert. Von ihm leitet sich auch der Fachbegriff "Morbus Baastrup" für diese Erkrankung ab. Häufig findet sich in diesem Zusammenhang auch der Begriff "Baastrup-Zeichen". Im Bezug auf Pferde wird man jedoch eher den Ausdruck Kissing Spine zu hören bekommen. | Früher war Kissing Spine eine Erkrankung alter, durchgerittener Pferde. Seit einigen Jahren sind jedoch immer mehr junge Tiere davon betroffen. Gerade bei jungen Pferden ist Kissing Spine ein Zeichen für zu frühes und / oder zu schnelles Anreiten des Tieres. Die Rückenmuskulatur ist zu Beginn des Anreitens noch nicht so stark entwickelt, um das Gewicht des Reiters tragen zu können.
Gerade bei jungen Pferden muss daher vor dem Anreiten die Muskulatur gekräftigt werden. Dies geschieht etwa mit Bodenarbeit in Dehnungshaltung. Auch die ersten Ritte auf dem Pferd sollten kurz gehalten werden, um der Muskulatur Zeit zum Aufbau zu geben.
Kissing Spine ist für das betroffene Pferd sehr schmerzhaft und kann in Folge zur dauernden Unreitbarkeit führen. Bei Verdacht sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden, dasseine sichere Diagnose in der Regel nur über eine Röntgenuntersuchung gestellt werden kann.
Betroffene Pferde bewegen im allgemeinen den Kopf nicht mehr nach rechts und zeigen auffällige Schmerzreaktionen bei Druck auf die Rückenwirbelsäule.
Eine Behandlung von Kissing Spine kann sich, insbesondere bei schweren Formen, über mehrere Jahre erstrecken. Unter Umständen bleibt das Pferd für immer unreitbar.
Als eine Behandlungsform kommt hier etwa die Ostheopathie in Frage. |
