Hufrehe
Die Hufrehe ist eine nicht eitrige Entzündung der Huflederhaut, abgeleitet aus dem Fachbegriff Pododermatitis diffusa aseptica. Hufrehe tritt recht häufig auf, man betrachtet sie als eine Art Zivilisationskrankheit der heutigen Pferde. Betroffen sind zumindest beide Vorderhufe, in vielen Fällen auch die Hinterhufe.
Die Huflederhaut gehört zu den am besten durchbluteten Organen. Zugleich liegt sie aber auch am weitesten vom Herzen entfernt. Durch diesen Umstand herrscht in den Kapillargefäßen der Huflederhaut ein hoher Druck. Wenn durch verschiedene Ursachen vermehrt toxische Eiweißzersetzungsprodukte in den Blutkreislauf gelangen, werden die Wandungen der Kapillargefäße geschädigt und durchlässig. Durch die Hornkapsel wird eine Ausbreitung des austretenden Blutserums verhindert, es kommt zu einer Gewebeschwellung, welche die Lederhautlamellen und die Blättchen des Horns auseinander drückt. Die Beweglichkeit des Hufbeins nach unten erhöht sich und der gesamte Aufhängeapparat des Hufbeins wird gelockert.
Diese erhöhte Beweglichkeit zieht die Zehenwand nach innen. Bei nicht sachgerechter Behandlung entsteht ein Knollhuf. Eine Drehung und Absenkung des Hufbeins kann zudem auftreten. In schweren Fällen kommt es zum Ausschuhen, dem Ablösen der Hornkapsel.
Kommt es zu einem akuten Anfall, zeigen sich erhöhte Puls- und Atemfrequenz, leichtes Fieber, Unruhe, Muskelzittern und Schweißausbrüche als Symptome. Die Mittelfußarterie pulsiert verstärkt, wird das Pferd geführt, kommt es zu einem ausgeprägten Wendeschmerz. | Bei chronischer Hufrehe sind diese Symptome schwächer ausgeprägt. Sichtbar ist die Bildung des Rehehufs, der sich an einer konkaven Krümmung der im Normalfall geraden Hufvorderwand und Verbreiterung der weißen Linie erkennen läßt. Auslöser für eine Hufrehe sind Endotoxine. Diese Eiweißzersetzungsprodukte entstehen, wenn durch einen Kohlenhydratüberschuß die milchsäurebildenden Bakterien übermäßig zunehmen und im Darmtrakt die dortige Bakterienflora und Schleimhaut angreifen und zersetzen. Die absterbenden Bakterien bilden die Endotoxine. In diesem häufigsten Fall spricht man von einer Fütterungsrehe. Eine Geburtsrehe entsteht durch das Nachgeburtsverhalten, bei dem die Nachgeburt nicht oder zu spät abgestoßen wird oder einer Infektion der Gebärmutter. Auch hier kommt es durch absterbende Bakterien zur Bildung der Endotoxine.
Zudem können auch verschiedene Medikamente, andere Infektionserkrankungen oder eine Überanstrengung die Hufrehe hervorrufen.
Es sollte unbedingt ein Tierarzt hinzugezogen werden, dassneben einer medikamentösen Therapie auch die Ursache wie z.B. bei einer Geburtsrehe abgestellt werden müssen. Bei Verdacht auf Fütterungsrehe darf kein Kraftfutter gegeben werden. Bei chronischer oder schwerer Rehe ist u.U. ein orthopädischer Hufbeschlag erforderlich, in diesem Fall sollte ein erfahrener Hufschmied befragt werden. Empfehlenswert ist das Aufstallen in einer weichen Box. |
