Gallen


Gallen sind Schwellungen im Bereich der Gelenke, die durch eine Überproduktion von Gelenksflüssigkeit (Synovia) hervorgerufen werden. Die Gelenksflüssigkeit wird von der Synovialmembrane, einer dünnen Schleimhaut, produziert und dient zum einen als ein Schmierfilm zwischen den Enden des Gelenks, zum anderen versorgt die Synovia die Gelenkknorpel mit Nährstoffen und führt die entstehenden Stoffwechselprodukte ab. Neben den Gelenkkapseln umhüllt die Synoviamembrane auch die sehnenumschließenden Sehenscheiden und die praktisch als Polster zu den Knochen wirkenden Schleimbeutel. In allen wird demnach auch Gelenksflüssigkeit produziert.

Es findet hier eine Unterscheidung der Gallen nach ihrem Usprung statt: Gelenk-, Sehnenscheiden- oder Schleimbeutelgallen. Zumeist finden sich Gallen im Bereich der Beine, in der Regel an Fessel-, Sprung- oder Kniegelenk. So verdickt sich beispielsweise bei einer Sprungelenksgalle innerhalb des Sprunggelenks das Talokruralgelenk. Sprunggelenksgallen werden oft auch als Kreuz- oder Wassergallen bezeichnet. Stollbeulen sind Gallen am Ellbogenhöcker, Piephacken zeigen sich als Gallen auf dem Fersenhöcker.

 

Gallen entwickeln sich meist aufgrund einer mechanischen Reizung der Synovialmembrane. Hervorgerufen werden diese Reizungen beispielsweise durch kleine Knochenabspiltterungen (sog. Chips) im Gelenk, Quetschungen im Bereich der Fersenhöcker beim Liegen, inbesondere bei beschlagenen Pferden mit Stollen, die Stollen der Vorderhufe drücken auf den Ellbogenhöcker (Stollgallen), oder Tritte im Bereich des Sprunggelenks. Hier handelt es sich um verletzungsbedingte Gallen. Weiterhin kommt zu frühes Anreiten des Pferdes in Frage oder fehlendes bzw. nicht ausreichendes Lösen des Tieres vor der Arbeit.

 

Anfällig reagieren Gelenke bei Mangel an ausreichender, regelmäßiger Bewegung und Fehlern in der Fütterung. Kommt dann noch Haltung auf extrem harten oder tiefen Böden dazu, bilden sich Gallen schneller aus. Angeborene Stellungsfehler können auf Dauer zu chronischen Entzündungennführen und Gallen hervorrufen. Gallen wachsen mit der Zeit und können beachtliche Größen erreichen.

Bei Berührung können sie dem Pferd Schmerzen verursachen. In einigen Fällen fühlen sich die Gallen wärmer als das umgebende Gewebe an. Die weiche Form der Gallen, welche sich unterhalb der Haut verschieben lassen können in der Regel als Schönheitsfehler angesehen werden und müssen nicht zwangsläufig therapiert werden, sofern der Auslöser festgestellt werden kann. Oft werden diese Gallen vom Tierarzt nur auf speziellen Wunsch des Halters hin entfernt.

Verhärtete Gallen können den Bewegungsablauf des Gelenks behindern und bis hin zur Lahmheit durch entzündliche Prozesse an den Gelenkrändern führen. Piephacken können sich relativ schnell infizieren und eitern. Bei durch eine Galle bedingt einsetzende Lahmheit muss eine Behandlung erfolgen. Frische Gallen können im günstigsten Fall schon mit einer durchblutungsfördernden Salbe oder dem Einsatz von Bandagen therapiert werden. Ältere Gallen werden in der Regel punktiert, um überschüssige Gelenksflüssigkeit abfließen zu lassen. Anschließend wird in die Punktionsstelle ein entzündungshemmendes Medikament gespritzt und das Gelenk bandagiert, um ein erneutes Füllen zu verhindern.

 

Nach der Behandlung ist dem Pferd ausreichend Boxenruhe zu gewähren, um das Gelenk zu weit wie möglich zu schonen. Sind Knochenabsplitterungen der Auslöser einer Galle, so müssen diese operativ entfernt werden. Stellungsfehler müssen korrigiert werden, bevor eine Behandlung der Gallen erfolgreich abgeschlossen werden kann. Die reine Behandlung der Gallen dauert zwischen wenigen Wochen (inbesondere beim Einsatz von Cortisonhaltigen Medikamenten) und mehreren Monaten (Homöopathische Behandlung). Der Pferdehalter kann Gallen beispielsweise durch ausgewogene Fütterung und dicke Einstreu in der Box vorbeugen. Positiv wirkt sich auch Abspritzen der Beine mit kaltem Wasser aus. Pferde sollten vor der Arbeit aufgewärmt und nicht zu jung angeritten werden.