Bornasche Krankheit
Die Bornasche Krankheit, auch Borna Disease oder kurz BD genannt, ist eine Virusinfektion, die bereits seit über 200 Jahren bekannt ist. Ihren Namen verdankt sie der Kreisstadt Borna in Sachsen, wo sie erstmalig in seuchenhaften Umfang auftrat. Das Bornavirus gehört zur Familie der Bornaviridae, Ordnung der Mononegavirales. Es handelt sich um ein umhülltes, nicht-segmentiertes Einzelstrangvirus mit negativ-RNA. Diese Virusform wird als sehr speziell angesehen und ist nach bisheriger Erkenntnis mit keinem anderen Virus näher verwandt. Befallen werden von diesem Virus Pferde, Rinder (selten), Schafe (häufig), Katzen, Hunde, Ratten und Strauße. Bei einigen anderen Tierarten wurden ebenfalls, wenn auch sehr selten, serologische Proben positiv getestet. Dazu zählen u.a. Mäuse, Meerschweinchen, Kaninchen und Vögel.
Pferde gelten als primärer Wirt des Bornavirus.
Unklar ist, ob die BD als Zoonose (vom Tier auf den Menschen übertragbare Erkrankung) gilt. In einigen Fällen wurden Antikörper auf das BD-Virus bei Patienten mit speziellen Formen von Depressionen oder dem Chronic Fatique Syndrome (Chronische Müdigkeit) nachgewiesen.
Frühere Beschreibungen bezogen eine BD-Infektion nur auf einige Gebiete in der Schweiz und Deutschland. Mittlerweile wurden BD-Antikörper nahezu weltweit nachgewiesen, u.a. in den USA, in Russland, Japan, Korea und Israel.
| Das BD-Virus greift das ZNS (Zentrales Nervensystem) an und führt zu dort zu Läsionen (Störungen im allgemeinen). Diese Läsionen zeigen sich bei Pferden vorwiegend als Encephalitiden (das Gehirn betreffende Erkrankungen) wie etwa einer nichteitrigen Encephalomyelitis (Entzündung des Gehirns / Rückenmarks). Es kann vorkommen, dass das Virus auch die Granulozyten (spezielle Form der weissen Blutkörperchen (Leukozyten)) Epithelien (Zellen des Deckgewebes) befallen. dassdie Infektion vom ZNS ausgeht, zeigen sich hier typische Symptome: Das Tier sondert sich von der Herde ab und wird verhaltensauffällig, Depression, Leerkauen, starker Bewegungs- drang und Leerkauen. Im späten Stadium neigen die Tiere zum Umfallen und Festliegen.
Ein Nachweis der Infektion mit dem BD-Virus erfolgt beim lebenden Tier über einen Antikörpernachweis (Titer-Test) im Liquor (Flüssigkeit - hier: Gehirnflüssigkeit) und / oder im Serum (Blutserum). Bei toten Tieren Nachweis über Antigene direkt im Hirngewebe.
Der Körper reagiert auf das BD-Virus mit der Bildung der oben angeführten Antikörper. Diese Antikörper führen aber nicht zu einer Neutralisierung des Virus und hemmen daher nicht seine weitere Ausbreitung. Es gibt keine Prophylaxe (Vorbeugung) gegen das BD-Virus. Ein früher eingesetzter Impfstoff ist nicht mehr zugelassen. Eine Therapie ist nicht möglich.
Eine Infektion mit dem Borna-Virus ist in Deutschland nach dem Tierseuchengesetz meldepflichtig. Betroffenen Tiere werden in der Regel getötet.
Eine Diagnose von BD ist ohne Laboruntersuchung nicht zuverlässig möglich. Viele Symptome ähneln beispielsweise Tetanus, Tollwut, Gehirntumoren oder eitriger Meningitis. |
