Vitamine
Vitamine stellen einen wichtigen Bestandteil der Pferdefütterung dar, wobei sowohl eine Mangelversorgung als auch eine Überdosierung sich negativ auswirken können. Es ist nahezu unmöglich, den jeweiligen Bedarf an bestimmten Vitaminen für alle Pferde allgemeingültig zu bestimmen. Die benötigte Vitaminversorgung richtet sich nach vielen Faktoren, zum Beispiel dem Gesundheitszustand, dem Alter, der Belastung oder auch der Jahreszeit. Wir wollen daher an dieser Stelle keine Anhaltspunkte für Dosierungen der verschiedenen Vitamine geben, sondern nur auf einige dieser Stoffe näher eingehen. Bei Verdacht auf Probleme in der Vitaminversorgung sollte ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, um evtl. mit einer Laboranalyse über die korrekte Therapie zu entscheiden. Vitamin A wird als eines der wichtigsten Vitamine für Pferde angesehen. Es handelt sich um eine gelbe, fettlösliche Verbindung, die durch Sauerstoffeinfluß und UV-Strahlung inaktiviert wird. Es kommt frei oder proteingebunden nur in tierischen Produkten, zum Beispiel Milch, vor. Pflanzen enthalten dagegen Carotinoide, vor allem das Beta-Carotin. Tiere wandeln dieses Provitamin in der Dünndarmwand in Vitamin A um. Als Speicher fungiert die Leber. Von dort aus wird bei Bedarf das Vitamin A wieder freigesetzt. Voraussetzung ist allerdings, dass es an ein dort synthetisiertes Protein, das RBP (Retinol Bildendes Protein), gebunden ist. Durch diese Bindung wird u.a. einer übermäßige Aufnahme von Vitamin A in den Zellen vermieden. Die Ausscheidung erfolgt über den Darm und Urin. Das Beta-Carotin wurde lange Zeit nur als eine Vorstufe des Vitamin A betrachtet. Es zählt zur Gruppe der fettlöslichen Carotinoide, gelben bis violettfarbenen, hochungesättigten Polyenfarbstoffen mit ausschließlich pflanzlicher Herkunft. Nach neueren Erkenntnissen wird das Beta-Carotin dem Vitamin A gleichgesetzt, in vielen Fällen, zum Beispiel bei Zuchtstuten, wird dem Beta-Carotin der Vorzug gegeben, dasses sich positiv auf die embryonale Entwicklung auswirkt. Der körpereigene Haushalt des Vitamin A wird durch das Beta-Carotin stabilisiert, die Abwehrkräfte gegen Infektionen wird erhöht. Hauptsächlich in Grünpflanzen und Mohrrüben finden sich die höchsten Konzentrationen an Beta-Carotin, dieser sinkt allerdings bei konservierten Futtermitteln sehr stark ab, eine Ausnahme hier ist beispielsweise Anwelksilage. Alle weiteren Vitamine werden in der Regel von gesunden Pferden im Bereich des Dickdarms selbstständig gebildet. Störungen können hier durch Erkrankungen wie etwa Durchfall oder Verstopfung auftreten. Bei einer Therapie mit Antibiotika wird die Vitaminproduktion ebenfalls gehemmt. | Vitamin D gehört zu einer Gruppe von fettlöslichen und photosensiblen, sauerstoffinstabilen Sterinderivaten, den Calciferolen. Hauptsächlich sind die Formen D2 und D3 vertreten Eine wichtige Funktion ist die Regulierung des Kalzium-Phosphor-Haushalts. Die Variante D3 (Cholecalciferol) wird durch Sonneneinstrahlung aus Cholesterin in der Haut gebildet. Aus Pflanzen stammt das Ergosterin (Provitamin D), welches sich ebenfalls durch Sonneneinstrahlung in der Haut zu dem Vitamin D2 (Ergocalciferol) wandelt. Beide Varianten verfügen über eine identische Wirksamkeit. Bei Pferden geschieht die Aufnahme von Vitamin D fast ausschließlich über im Freien getrocknetes Heu oder während des Weidegangs durch Sonneneinwirkung. Ein zu hoher Vitamin-D-Spiegel kann unter Umständen zu riskanten Gefäßverengungen führen, bei Fohlen besteht bei einer Verschiebung des Ca-P-Haushalts die Gefahr von Knochenauftreibungen. Vitamin E ist ein Oberbegriff für eine Gruppe verschiedener Stoffe (Tokopherole und Tokotrienole), die identische Wirkung zeigen. Diese Stoffe sind fettlöslich, Sauerstoff- und UV-sensibel und thermostabil, sie kommen ausschließlich in Pflanzen vor. Hohe Konzentrationen finden sich z. B. in Sonnenblumenkernen und Leinsaat. Eine Eigenschaft dieser Stoffe besteht darin, dass bei vermehrter Zufuhr die Resorptionrate im Körper sinkt. Vitamin E wird über die Galle ausgeschieden. Vitamin E verfügt über eine antioxidative Wirkung und bindet freie Radikale, was vor einigen Tumorarten schützen soll, aber noch nicht zweifelsfrei bewiesen ist. Bei Pferden in der Stallperiode und Tieren mit großer Leistungsanforderung kann es zu einem Vitamin-E-Mangel kommen. Als Vitamin H wird das Biotin bezeichnet. Es handelt sich um Harnstoffderivat, welches in tierischen Nahrung proteingebunden und in pflanzlicher frei vorkommt. Es ist beständig gegen Licht, Sauerstoff, Säuren und Laugen, reagiert aber thermoinstabil. Eine hohe Konzentration findet sich in Sojabohnen. Eine regelmäßige Versorgung mit Biotin förder die Fettsäuresynthese und wirkt sich positiv auf das Horngebilde des Hufs aus. Biotinmangel kann unter Umständen zu Veränderungen der Darmschleimhaut, Dermatitis und Leistungsminderung führen. Bei Leistungspferden, Zuchtstuten und Fohlen ist zudem mit einem erhöhten Vitaminbedarf zu rechnen. |
