Getreide


Zu den Getreiden als Futtermittel zählen Gerste, Hafer, Mais, Roggen und Weizen.

Diese Futtermittel weisen allgemein einen geringen Gehalt an Kalium, Kalzium, Natrium und Zink auf, gleiches gilt für die Vitamine. Sie eignen sich dennoch durch die gute Verdaulichkeit und den mittleren Eiweißgehalt, um mit ihnen einen recht hohen Anteil des Futterbedarfs zu decken. Eine Ausnahme gilt hier allerdings für Roggen und Weizen, die unter Umständen im Magen zu Verklebungen führen können.

Die Gerste (Hordeum vulgare L.) aus der Familie der Süßgräser (Gramineae) stammt aus Vorderasien und wird heute in Kulturformen in gemäßigtem Klima rund um die Welt angebaut.

Erste Funde von kultiviert angebauter Gerste gehen auf das neunte Jahrtausend v. Chr. in Ägypten zurück. Aus der Ursprungspflanze, der zweizeiligen Wildgerste (Hordeum spontaneum) mit brüchiger Ährenspindel und kleinen Körnen entstanden durch Auslese und Kreuzung die heutigen Kulturformen. Die mehrzeilige Gerste ist vermutlich eine natürliche Mutation.

Im Vergleich zum Hafer besitzt die Gerste weniger Eiweiß- und mehr Energiegehalt. Rund 900g Gerste entsprechen etwa 1000g Hafer. Die mehrzeilige Wintergerste ist eiweißreicher als die zweizeilige Sommergerste.

Der Eiweißgehalt liegt etwa zwischen 8% und 13%, die Kohlenhydrate bei ca. 70% und der Fettgehalt im Korn bei 2%.

Gerste in geschroteter Form kann einen Anteil von bis zu 50% am Futter haben.

Der Hafer (Avena sativa L.) als weitverbreitete Kuturpflanze gelangte als "Unkraut" zusammen mit der Gerste aus Vorderasien nach Mitteleuropa. Erste Kultivierungen gehen auf die Kelten und Germanen etwa 2000 Jahre v. Chr. zurück. Aus der frühen Form, dem Flughafer mit brüchiger Ährenspindel, entstanden durch Auslese und Kreuzung die heutigen Kulturformen.

Hafer besitzt einen sehr guten Gehalt an Rohfaser und Energie und stellt somit auch bedingt durch seinen sehr hohen Eiweißgehalt ein ideales Futtermittel für nahezu alle Pferde dar.

Auszunehmen sind hier jedoch, bedingt durch die Futtermenge, Jungfohlen bis zum 18. Monat und Fohlenstuten. Das Kalzium-Phosphor-Verhältnis ist beim Hafer ungünstig, dies wird im Normalfall durch Heufütterung kompensiert, kann aber bei großen Mengen nicht unbedingt ausgeglichen werden. Natrium und Carotin sind im Hafer in der Regel nicht nachweisbar.

Ein Qualitätskriterium ist das Litergewicht, also das effektive Gewicht bei einem Volumen von einem Liter. Hafer hoher Qualität verfügt über ein Litergewicht von mehr als 550g, bei minderer Qualität, die zumeist erhältlich ist, liegt das Litergewicht bei etwa 400g. Bei geringem Litergewicht sollte eine größere Menge verfüttert werden, sofern keine anderen Qualitätseinbußen wie etwa Farbe oder Geruch vorliegen.

Der Eiweißgehalt liegt bei bis zu 14%, die Kohlenhydrate erreichen etwa 65% und der Fettgehalt im Korn liegt bei ca. 7%.

Der Mais (Zea mays L.) gehört ebenfalls zur Familie der Süßgräser. Man zählt ihn mit zu den ältesten Kulturpflanzen überhaupt. Erste Kultivierungen einer einfachen, kleinen Wildform, dem Wildgras Teosinte, fanden vor rund 7000 Jahren in Mittelamerika statt. Zuerst fast ausschließlich in Nord- und Südamerika beheimatet, werden kälteresistente Hybridformen heute auch in Europa und Asien angebaut.

Mais verfügt über einen hohen Energiegehalt in Form von Fett, jedoch wenig Rohfaser und Eiweiß. Rund 800g Mais können bei der Fütterung 1000g Hafer ersetzen. Der sehr geringe Gehalt an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen erfordert die Gabe von Ergänzugsfutter.

Der Eiweißgehalt liegt bei etwa 8% bis 10%, Kohlenhydrate belaufen sich auf ca. 70% und der Fettgehalt im Korn auf 4%.

Je nach Beanspruchung kann der Mais bis zu 50% der Futtermenge ausmachen, bei weniger beanspruchten Pferden sollte die Maisration stark gekürzt werden. Mais dient vornehmlich dazu, bei gleicher Futtermenge durch den hohen Fettgehalt schneller energiereiches Futter zuzuführen. Je nach Gewöhnung des Tieres kann Mais in allen Varianten, von geschrotet oder gebrochen bis zu naturbelassener Form angeboten werden.

Der Roggen (Secale cereale L.) ist eine in Nord- und Mitteleuropa verbreitete Kulturpflanze, deren Ursprung in Asien liegt. Durch natürliche Selektion wandelte sich der Roggen vom Unkraut zu einer sekundären Kulturpflanze. In Mitteleuropa trat der Roggen um 1000 v. Chr. auf, wie Körnerfunde belegen.

Roggen besitzt einen sehr Stärkeanteil, der bei ca. 70% liegt, zusammen mit geringem Anteil an Rohfasern. Diese Umstände bergen unter Umständen die Gefahr einer Verklebung im Magen, welche evtl. zu Magenentzündungen oder auch Hufrehe führen können.

Bedingt durch einen bitteren Geschmack wird Roggen im Futter meist gemieden, der Gehalt an Roggen sollte, sofern überhaupt nötig, gering gehalten werden.

Der Eiweißgehalt liegt bei rund 10%, der Fettgehalt im Korn erreicht gut 2%, Stärke ist mit 70% vertreten.

Der Weizen (Triticum aestivum L.) geht auf Wildformen zurück, die bereits um 7000 v. Chr. im euroasiatischen Raum zunächst gesammelt und später angebaut wurden. Der heutige, weltweit angebaute Kulturweizen geht auf drei Wildformen zurück.

Ähnlich dem Roggen enthält auch der Weizen wenig Rohfaseranteile und einen hohen Gehalt an Stärke, die Probleme, die sich ergeben können, sind entsprechend. Weizen sollte nur in Ausnahmen gefüttert werden, wobei sein Anteil nicht größer als 10% der täglichen Futtermenge sein darf.

Diese Menge sollte zudem über den Tag verteilt gegeben werden.

Der Eiweißgehalt liegt bei etwa 12%, der Fettgehalt im Korn bei rund 2%, die Stärke erreicht 70%, der Faseranteil liegt unter 2% und der Wassergehalt bei etwa 13%.