Eadweard Muybridge - Pferde können fliegen













Im Jahre 1878 löste Eadweard Muybridge eine alte Streitfrage: Verläßt ein Pferd im Galopp zu einem Punkt des Bewegungsablaufes mit allen vier Hufen zeitgleich den Boden? Seine zu jener Zeit geradezu spektakulären Aufnahmen bewiesen es eindeutig: Ja!

Bereits 1872 begann Muybridge im Auftrag von Gouverneur Leland Stanford damit, Techniken zu entwickeln, um solche Sequenzen auf Film zu bannen. Auf Leland´s Gestüt in Palo Alto / Kalifornien wurde dann zwischen 1877 und 1879 extra zu diesem Zweck eine große Anlage errichtet, welche zu Beginn der Versuche aus 12, später aus bis zu 30 einzelnen Kameras bestand.

Jede Kamera verfügte über einen eigenen elektromagnetischen Verschluß des Objektivs. Ausgelöst wurden die Kameras durch dünne Drähte, welche quer zu Laufrichtung der Pferde gespannt waren und durch die Tiere im Laufen zerrissen wurden.



Kameraanlage in Palo Alto

Die aufgenommen Einzelbilder brachten Muybridge auf die geniale Idee, seine Bilder nacheinander vorzuführen, um einen Gesamteindruck zu vermitteln. Der Tüftler entwickelt daraufhin sein Zoopraxiskop und gilt heute allgemein als Begründer der Kinematografie.


Zoopraxiskop

Muybridge - Eine kurze Biografie:

Eadwaerd Muybridge wurde am 9. April 1830 als Edward James Muggeridge in Kingston Upon Thames / England als Sohn des Kaufmanns John Muggeridge geboren.

Erst später änderte er seinen Nachnamen in Muygridge, dann in Muybridge ab. Die andere Schreibweise seines Vornamens läßt sich auf die angelsächsischen Könige in England zurückführen.

Bereits mit 21 Jahren verläßt Muybridge seine Heimat in Richtung Amerika. Dort war er zunächst als Handelsvertreter für ein Londoner Druck- und Verlagshaus tätig, später arbeitet er dann auch als Buchhändler und Herausgeber. Nach einem schweren Postkutschenunfall im Jahre 1860 kam er wieder nach England zurück und beginnt erste Experimente mit Fotochemikalien. Nebenbei erfindet Muybridge noch eine frühe Form der Waschmaschine.

1866 kehrt Muybridge nach Amerika zurück und betreibt dort ein "fliegendes" Fotostudio. Er reist durch die Staaten und macht Aufnahmen von Städten und Landschaften. Allerdings laufen diese Geschäfte für ihn mehr schlecht als recht. Einer seiner Kunden war der Eisenbahnbaron, Gestütsbesitzer und Gouverneur von Kalifornien, Leland Stanford. Dieser fördert Muybridge und die Geschäfte kommen in Fahrt, mit der Karriere geht es aufwärts, unter anderem fotografiert er jetzt auch im Auftrag der US-Regierung.

Stanford tritt mit dem "Problem" des fliegenden Pferdes an Muybridge heran und beauftragte ihn mit der Lösung mit Hilfe der Fotografie.

Nach seinen Arbeiten in Palo Alto beginnt Muybridge mit fotografischen Bewegungsstudien. Zwischen 1884 und 1886 fotografiert er 781 dieser Bewegungsstudien, insgesamt mehr als 100000 einzelne Aufnahmen. Er begründet hiermit die serielle Fotografie.

Eadweard Muybridge verstirbt am 8. Mai 1904 in seinem Geburtsort.

GIF-Animation mit Aufnahmen von Muybridge (28kB)



Muybridge

 

Stanford