Zähne und Gebiss


Das Gebiss:

Das bleibende Gebiss:

Das bleibende Gebiss der Pferde besteht aus 36 bis 44 Zähnen, diese Varianz ist bedingt durch den Umstand, dass die Hakenzähne und Wolfszähne nicht bei jedem Gebiss ausgebildet werden. Die Hakenzähne sind zwar bei Stuten und Hengsten gleichermaßen angelegt, brechen jedoch in der Regel nur bei Hengsten durch. Als Wolfszahn (P1) bezeichnet man den ersten der vier vorderen Backenzähne, dieser ist rudimentär und erscheint nur als kleiner, stummelförmiger Zahn. Der Durchbruch eines Wolfszahns im Unterkiefer ist selten.

Die Zahnformel für das bleibende Gebiss:

Grafik: Bleibendes Gebiss  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf

Zahnformel - Jeweils beidseitig im Ober- und Unterkiefer:

3 - 1 - 1 - 3 - 3

3 Schneidezähne
1 Hakenzahn (Nicht immer)
1 Wolfszahn (Nicht immer)
3 Vorbackenzähne
3 Backenzähne

Das Milchgebiss:

Das Milchgebiss der Pferde besteht aus 24 bis 28 Zähnen, dies ist Abhängig davon, ob die Milcheckzähne (c1) durchbrechen. Der Durchbruch der Milcheckzähne ist jedoch eher selten.

Die Zahnformel für das Milchgebiss:

Grafik: Milchgebiss  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf

Zahnformel - Jeweils beidseitig im Ober- und Unterkiefer:

3 - 1 - 3

3 Schneidezähne
1 Hakenzahn (Nicht immer)
3 Vorbackenzähne

Im Gegensatz zum bleibenden Gebiss werden die Zähne des Milchgebisses in der Zahnformel regulär in Kleinschrift dargestellt. Die hinteren drei Backenzähne des bleibenden Gebisses werden ohne vorheriges Milchgebiss angelegt.

Bezeichnung der Zähne:

I Dens incisivus (Dentes insivici) Schneidezähne
I1 Zahn an der Mittellinie
I2 Mittlerer Schneidezahn
I3 Äußerer Schneidezahn
C Dens caninus (Dentes canini) Hakenzähne
P Dens praemolaris (Dentes praemolares) Vorbackenzähne
P1 Wolfszahn
P2 Erster Vorbackenzahn
P3 Zweiter Vorbackenzahn
P4 Dritter Vorbackenzahn
M Dens molaris (Dentes molares) Backenzähne
M1 Erster Backenzahn
M2 Zweiter Backenzahn
M3 Dritter Backenzahn

Lage der Zähne im Kiefer:

Grafik: Zähne im Ober- und Unterkiefer  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf

Seitenansicht:

Grafik: Zähne im Ober- und Unterkiefer, Seitenansicht  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf

 

Modifiziertes Triadan-System:

Da diese auch heute noch häufig anzutreffende Bezeichnung keinen Rückschluss auf die absolute Lage der einzelnen Zähne (Ober- oder Unterkiefer, linke oder rechte Kieferhälfte) zulässt, wird mittlerweile auch in der Tiermedizin das modifizierte Triadan-System verwendet, kurz als MTS bezeichnet. Dieses System wurde von Prof. Dr. med. dent. Hugo Triadan für die humane Zahnmedizin entwickelt und erlaubt eine eindeutige Bezeichnung der Zähne.

Beim MTS wird jeder Zahn mittels einer dreistelligen Zahl gekennzeichnet. Die erste Ziffer bezeichnet den Kieferquadranten:

Für das bleibende Gebiss:

  1. Oberkiefer rechts
  2. Oberkiefer links
  3. Unterkiefer links
  4. Unterkiefer rechts

Für das Milchgebiss:

  1. Oberkiefer rechts
  2. Oberkiefer links
  3. Unterkiefer links
  4. Unterkiefer rechts

Die Sichtweise ist dabei, wie in der Humanmedizin, immer vom Patienten (Pferd) aus. Der erste Quadrant, also der Oberkiefer rechts, ist somit bei Sicht von vorne auf das Pferdemaul der linke Oberkiefer. Merke: Die rechte Vorhand ist immer die rechte Vorhand, unabhängig vom Standpunkt des Betrachters:

Grafik: Quadranten des MTS  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf

Die darauf folgenden zwei Ziffern kennzeichnen den einzelnen Zahn, beginnend mit 01 jeweils von der Mittellinie (zwischen den vorderen Schneidezähnen) nach hinten (von rostral nach dorsal).

MTS für das bleibende Gebiss:

Nr. Zahn Quadrant
101 Vorderer Schneidezahn Oberkiefer rechts
102 Mittlerer Schneidezahn Oberkiefer rechts
103 Äußerer Schneidezahn Oberkiefer rechts
104 Hakenzahn Oberkiefer rechts
105 Wolfszahn Oberkiefer rechts
106 Erster Vorbackenzahn Oberkiefer rechts
107 Zweiter Vorbackenzahn Oberkiefer rechts
108 Dritter Vorbackenzahn Oberkiefer rechts
109 Erster Backenzahn Oberkiefer rechts
110 Zweiter Backenzahn Oberkiefer rechts
111 Dritter Backenzahn Oberkiefer rechts
201 Vorderer Schneidezahn Oberkiefer links
202 Mittlerer Schneidezahn Oberkiefer links
203 Äußerer Schneidezahn Oberkiefer links
204 Hakenzahn Oberkiefer links
205 Wolfszahn Oberkiefer links
206 Erster Vorbackenzahn Oberkiefer links
207 Zweiter Vorbackenzahn Oberkiefer links
208 Dritter Vorbackenzahn Oberkiefer links
209 Erster Backenzahn Oberkiefer links
210 Zweiter Backenzahn Oberkiefer links
211 Dritter Backenzahn Oberkiefer links
301 Vorderer Schneidezahn Unterkiefer links
302 Mittlerer Schneidezahn
Unterkiefer links
303 Äußerer Schneidezahn
Unterkiefer links
304 Hakenzahn
Unterkiefer links
305 Wolfszahn
Unterkiefer links
306 Erster Vorbackenzahn
Unterkiefer links
307 Zweiter Vorbackenzahn
Unterkiefer links
308 Dritter Vorbackenzahn
Unterkiefer links
309 Erster Backenzahn
Unterkiefer links
310 Zweiter Backenzahn
Unterkiefer links
311 Dritter Backenzahn Unterkiefer links
401 Vorderer Schneidezahn Unterkiefer rechts
402 Mittlerer Schneidezahn Unterkiefer rechts
403 Äußerer Schneidezahn Unterkiefer rechts
404 Hakenzahn Unterkiefer rechts
405 Wolfszahn Unterkiefer rechts
406 Erster Vorbackenzahn Unterkiefer rechts
407 Zweiter Vorbackenzahn Unterkiefer rechts
408 Dritter Vorbackenzahn Unterkiefer rechts
409 Erster Backenzahn Unterkiefer rechts
410 Zweiter Backenzahn Unterkiefer rechts
411 Dritter Backenzahn Unterkiefer rechts

Die Zähne:

Schneidezähne (Dentes insivici):

Die Schneidezähne I1 bis I3 werden als Milchgebiss angelegt und wechseln mit zunehmenden Alter in das bleibende Gebiss. Die vorderen Schneidezähne (I1) werden auch als Zangen bezeichnet, die mittleren Schneidezähne (I2) als Mittelzähne und die äußeren Schneidezähne (I3) als Eckzähne.

Für die Schneidezähne des Milchgebisses kann folgende Faustregel angenommen werden:

Sechs Tage nach der Geburt:
Die vorderen Schneidezähne I1 brechen durch

Sechs Wochen nach der Geburt:
Die mittleren Schneidezähne I2 brechen durch

Sechs Monate nach der Geburt:
Die äußeren Schneidezähne I3 brechen durch

Der Wechsel vom Milchgebiss zum bleibenden Gebiss erfolgt für I1 nach etwa 30 Monaten, für I2 nach etwa 42 Monaten und für I3 nach etwa 54 Monaten. Die bleibenden Schneidezähne benötigen dabei rund sechs Monate, bis sie die Höhe der Kauflächen erreichen und es zum Gegenbiss kommt. So kann insbesondere bei jungen Pferden das Alter recht genau anhand der Schneidezähne eingeschätzt werden:

Ein Pferd mit hoch gewachsenen I1 ist demnach drei Jahre, mit hoch gewachsenen I2 vier Jahre und mit hoch gewachsenen I3 fünf Jahre alt.

Hakenzähne (Dentes canini):

Wie die Schneidezähne werden auch die Hakenzähne als Milchgebiss angelegt, allerdings durchbricht der Milchzahn auf Grund seiner Länge von nur rund einem Zentimeter die Maulschleimhaut nicht. Hakenzähne werden häufig auch als Hengst- oder Wallachzähne bezeichnet, sind aber auch bei Stuten zu finden. Sie liegen im Oberkiefer zwischen ein und zwei Zentimeter, im Unterkiefer zwischen zwei und vier Zentimeter hinter den äußeren Schneidezähnen I3. Die bleibenden Hakenzähne brechen in der Regel im Zeitraum zwischen dem vierten und dem sechsten Lebensjahr durch.

Hakenzähne verfügen, bedingt durch den unterschiedlichen Abstand zu den Eckzähnen im Ober- und Unterkiefer, über keinen Gegenbiss, es fehlt also der Kontakt zum jeweils gegenüberliegenden Zahn. Im Gegensatz zu den anderen Zähnen im Pferdegebiss werden die Hakenzähne auch nicht im Laufe des Lebens permanent nachgeschoben.

 

Vorbackenzähne (Dentes praemolares):

Wolfszähne (P1) zählen zu den Vorbackenzähnen und verfügen über keine vorhergehende Milchzahnanlage. Werden Wolfszähne ausgebildet, so finden sie sich vorwiegend im Ober-, sehr selten im Unterkiefer jeweils direkt vor dem ersten in vollem Umfang funktionstüchtigen Vorbackenzahn P2. Wolfszähne sind nur rudimentär und verfügen nur in den seltensten Fällen über eine Wurzelanlage. In der Regel ist ein Wolfszahn nur über das Zahnfleisch fixiert oder über eine dünne, knöcherne Struktur mit dem Knochen des Ober- beziehungsweise Unterkiefers verbunden.

Probleme können bei Wolfszähnen auftreten, welche zwar veranlagt sind, aber die Maulschleimhaut nicht durchbrechen. Diese "Blinde Wolfszähne" genannten Zähne können durch Druck zu Reizungen und somit zu einer Schmerzeinwirkung für das Pferd führen. Werden Wolfszähne sehr spitz oder scharfkantig ausgebildet kann es zu Verletzungen der Zunge oder Reizungen der Maulschleimhaut kommen.

Bei Zebras und, etwas seltener, bei reinen Wildpferdepopulationen werden Wolfszähne recht häufig noch als vollwertiger Vorbackenzahn ausgebildet.

Die Vorbackenzähne P2, P3 und P4 werden als Milchgebiss angelegt und sind bereits bei der Geburt vorhanden oder bilden sich innerhalb der ersten sieben Tage. Die Größe der Milchzähne entspricht, im Gegensatz zu den Milchzahnanlagen der Schneidezähne, der Größe der bleibenden Zähne. Der Wechsel vom Milchgebiss zum bleibenden Gebiss erfolgt für P2 nach etwa 30 Monaten, für P3 nach etwa 36 Monaten und für P4 nach etwa 48 Monaten. Wie bei den Schneidezähnen werden die Milchzahnanlagen auch bei den Vorbackenzähnen von den nachwachsenden bleibenden Zähnen in die Maulhöhle vorgeschoben. Gelegentlich kann sich hierbei eine so genannte Milchkappe bilden, ein Rest des Milchzahns, welcher als dünne Kappe auf dem bleibenden Zahn sitzt. In der Regel resorbiert der Organismus den Milchzahn während des Nachwachsen der bleibenden Zähne von seiner Basis her vollständig. Diese Resoption erfolgt durch Osteoklasten, mehrkernigen Zellen mit der Hauptaufgabe der Resorption von Knochensubstanz. Die Osteoklasten zerstören die Zahnwurzel und lösen das Knochenseptum des Milchzahns auf.

Backenzähne (Dentes molares):

Die Backenzähne M1, M2 und M3 werden direkt als bleibende Zähne ohne Milchzahnanlage ausgebildet. M1 bricht etwa 12 Monate nach der Geburt durch, M2 nach etwa 24 Monaten und M3 nach etwa 42 Monaten. Somit verfügt ein ausgewachsenes Pferd im Alter von vier Jahren im Bereich der Backenzähne über ein vollständiges Gebiss aus 24 Backenzähnen.

Substantieller Aufbau:

Zahnschmelz:

Zahnschmelz, lateinisch Substantia adamentinea, stellt die härteste Substanz im Körper dar. Etwa 95% des Zahnschmelzes sind anorganisch und bestehen im wesentlichen aus Calcium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Carbonat so wie Eiweißen und Fetten. Aus chemischer Sicht besteht Zahnschmelz zum überwiegenden Teil aus der säurelöslichen Substanz Hydroxylapatit.

Der Zahnschmelz enthält nur rund 5% Wasser, wodurch sich in Verbindung mit der kristallinen Struktur eine extrem hohe Härte, aber auch Brüchigkeit ergibt. Im Vergleich ist die Härte nach Rockwell von Hydroxylapatit höher als die vieler Metalle. Zahnschmelz ist ein Produkt der Biomineralisation und wird von schmelzbildenden Zellen (Adamentoblasten) produziert. Durch diese Zellen wird das Präenamelum, als bindegewebige Substanz eine Art Vorstufe des Zahnschmelzes, gebildet. Nach dem Durchbruch des Zahns durch die Schleimhaut wird die endgültige Festigkeit durch Einlagerung von Phosphaten und Calcium erreicht.

Hydroxylapatit kommt auch in verschiedenen Gesteinsschichten zum Beispiel in der Schweiz und Norwegen vor und wird als Erz unter Anderem zur Gewinnung von Phosphor abgebaut.

Als Zahnschmelz ist Hydroxylapatit farblos, eine gelblich-weiße Färbung der Zähne wird durch das unterhalb des Zahnschmelzes liegende Dentin hervorgerufen. Zahnschmelz schützt durch seine Härte mechanisch und ist auch gegen chemische Einflüsse sehr resistent. Sinkt jedoch der pH-Wert im Bereich des Zahnschmelzes unter einen Wert von etwa 5,5 kommt es zu einer Demineralisierung. Dies geschieht in der Regel durch bakterielle Säuren.

Zahnschmelz kann nicht nachgebildet werden und wird nicht von Nerven durchzogen. Durch diesen Umstand und dem fast ausschließlichen Anteil anorganischer Bestandteile spricht man beim Zahnschmelz auch von "toter Substanz".

Dentin:

Dentin, lateinisch Substantia eburnea, wird auch als Zahnbein bezeichnet. Es macht den größten Anteil der Zahnsubstanz aus. Dentin wird von Odontoblasten (dentinbildenden Zellen) an der Schnittstelle zwischen Dentin und Pulpa (Markhöhle) als knochenähnliche Substanz gebildet. Hauptbestandteil zu etwa 70% ist Kalziumhydroxylapatit, welches zum überwiegenden Teil aus Phosphor und Calcium besteht. Rund 20% bestehen aus organischen Bestandteilen und 10% aus Wasser. Wie der Zahnschmelz ist auch das Dentin ein Produkt der Biomineralisation, kann jedoch lebenslang durch diesen Prozess neu gebildet werden. Die gelblich-weiße Färbung des Dentins scheint durch den Zahnschmelz hindurch.

Durch den höheren Wasseranteil und den strukturellen Aufbau ist das Dentin weniger brüchig als der Zahnschmelz. Zudem wird es von einigen Nervenbahnen durchzogen, wodurch eine gewisse Empfindlichkeit entstehen kann.

Man unterscheidet drei Arten des Dentins: Das primäre Dentin wird im Rahmen der Zahnbildung produziert, das lebenslang neu gebildete Dentin der bleibenden Zähne wird als sekundäres Dentin bezeichnet. Das tertiäre Dentin oder auch Reizdentin bildet sich durch externe Reizungen, wie zum Beispiel Karies (Zahnfäule), zum Schutz des Zahns.

Zahnzement:

Der Zahnzement, lateinisch cementum, stellt den weichsten Bestandteil der Zähne dar. Er besteht zu etwa 65% aus Mineralien, zu etwa 23% aus organischen Bestandteilen (vorwiegend Zementozyten und mineralisierten kollagenen Fasern) und zu etwa 12% aus Wasser. Durch diese Zusammensetzung zeigt der Zahnzement eine Ähnlichkeit mit Faserknochen. Von der Färbung her zeigt sich der Zahnzement leicht gelblich, durch seinen höheren Anteil organischer Substanzen und Wasser ist er eher weich und flexibel. Wie beim Dentin wird auch der Zahnzement lebenslang durch Zementoblasten (Zementbildende Zellen) neu gebildet. Zahnzement, welcher bei bleibenden Zähnen ständig neu gebildet wird, bezeichnet man auch als sekundäres Zement.

Der Zahnzement verbindet mit seiner Oberfläche den Zahn mit dem versorgenden Gewebe im Zahnfach. Durch die ständige Neubildung wird diese Verbindung für die nachgeschobenen Zähne flexibel erhalten. Der Zahnzement zeigt sich häufig deutlich durch seine teilweise braune Färbung im sichtbaren Bereich der Zähne. Diese Färbung wird verursacht durch mit dem Futter aufgenommene Pigmente, welche sich in den schwächer mineralisierten Außenseiten des Zahnes anreichern.

 

Querschnitt durch den Zahn:

Grafik: Zahn, Querschnitt  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf

Längsschnitt durch den Zahn:

Grafik: Zahn, Längsschnitt  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf

Zahnbestandteile:

Zahnfach:

Das Zahnfach, lateinisch Alveole, ist eine Vertiefung im der Ober- und Unterkieferknochen, in welcher der Zahn mit seinen Wurzeln mündet. Im Inneren ist das Zahnfach mit der von kleinen Blut- und Lymphgefäßen durchzogenen Wurzelhaut (Periodontium, periodontales oder parodontales Ligament) ausgekleidet. Die Wurzelhaut überbrückt als kollagenes Bindegewebe den nur wenige Zehntel Millimeter breiten Spalt zwischen dem Zahnfach und dem Zahnzement der Zahnwurzel und dichtet dadurch auch das Zahnfach gegen die Maulhöhle ab. Um das Nachwachsen der Zähne zu ermöglichen wird die Wurzelhaut ständig neu gebildet. Zahnfach und Wurzelhaut gehören zusammen mit dem Zahnzement und Zahnfleisch (Gingiva) zum Halteapparat der Zähne.

Zahnwurzel:

Die Zahnwurzel, lateinisch Radix dentis, bildet den unterhalb der Zahnkrone liegenden Restanteil, mit welcher die Zähne im Ober- beziehungsweise Unterkiefer verankert sind. Im Gegensatz zur Zahnkrone besteht die Zahnwurzel nur aus Zahnzement und Dentin, ist daher vom strukturellen Aufbau her weicher als die Zahnkrone. Dies führt dazu, dass bei älteren Pferden die Anlage der Zahnwurzel verhältnismäßig schnell abgenutzt wird.

Zahnwurzelkanal, Zahnhöhle:

Der Zahnwurzelkanal dient zur Versorgung der Zähne. Der Wurzelkanal führt durch eine Öffnung im Bereich der Zahnwurzel bis in die Zahn- oder Pulpahöhle (Pulpencavum). Jeder einzelne Zahn verfügt über mindestens eine Pulpahöhle, im Bereich der Backenzähne können es bis zu drei dieser Höhlen sein. Die Pulpahöhle ist gefüllt mit dem Zahnmark (Pulpa). Das Zahnmark besteht aus Bindegewebe, Nerven, Lymph- und Blutgefäßen. Vom Zahnmark aus ziehen sich Nerven bis zum Dentin.

Die Zahnwurzeln der Backenzähne sind etwa 24 Monate nach der Geburt komplett ausgebildet, die Pulpahöhle innerhalb der Backenzähne wird erst zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahr fertig gestellt. Da die Zähne einer ständigen Abnutzung unterliegen und nachgeschoben werden, wird auch die Pulpahöhle in Richtung der Maulhöhle geschoben. Um Eröffnung der nachgeschobenen Pulpahöhle und somit das Eindringen von Keimen zu verhindern, wird die Pulpahöhle mit sekundärem Dentin verschlossen. Diese so verschlossene Pulpahöhle zeigt sich auf der Zahnoberseite als so genannte Kernspur:

Grafik: Zahn Querschnitt, Kernspur  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf

 

 

An den Schneidezähnen des bleibenden Gebisses zeigt sich die Kernspur etwa ab dem sechsten Lebensjahr. Bis zum etwa achten Lebensjahr bleibt die Öffnung des Zahnwurzelkanals in die Pulpahöhle erhalten. In diesem Zeitrahmen wird die Zahnsubstanz immer neu produziert. Nach dem achten Lebensjahr wird die Produktion der Zahnsubstanz eingestellt und der an der Kaufläche abgenutzte Zahn nur noch nachgeschoben.

Zahnkrone:

Die Zahnkrone, lateinisch Corona dentis, ist der oberhalb der Zahnwurzel liegende Teil des Zahns. Sie besteht aus Zahnzement, Zahnschmelz und Dentin. Der oberhalb des Zahnfleischrandes liegende Teil der Zahnkrone wird als sichtbare Krone, der unterhalb des Zahnfleischrandes bis zur Zahnwurzel reichende Teil als Reservekrone bezeichnet. Der Übergang von sichtbarer Krone zur Reservekrone ist dabei fließend Der Begriff Krone leitet sich aus der bei menschlichen Zähnen einer königlichen Kopfbedeckung ähnlich sehenden Kontur des sichtbaren Zahns ab. Der menschliche Zahn wird mit seiner kurzen Krone als brachydont (niederkronig) bezeichnet, Pferdezähne (mit Ausnahme der Dentes canini) als hypsodont (hochkronig).

Zahnfleisch:

Das Zahnfleisch, lateinisch Gingiva, gehört zusammen mit Zahnzement, Zahnfach und Wurzelhaut zum Halteapparat der Zähne. Zahnfleisch ist ein mehrschichtiges Plattenepithel mit wenigen Hornschichten und fehlender Unterhaut. Durch die fehlende Unterhaut ist das Zahnfleisch nicht verschiebbar. Zahnfleisch kann nicht neu gebildet werden.

Kunde, Kundenspur und Kernspur:

Die Kunde stellt eine sichtbare Vertiefung auf der Kaufläche der bleibenden Schneidezähne (I1 - I3) bei jungen Pferden dar. Kunden entstehen während der Entwicklung der bleibenden Schneidezähne aus dem Rest eines Kanals zur Versorgung mit Blutgefäßen. Kunden im Oberkiefer sind bis zu 12 Millimeter, im Unterkiefer bis zu sechs Millimeter tief. Durch die Abnutzung der Zähne während der Nahrungsaufnahme reiben sich auch die Kunden immer weiter ab. Je nach Haltungsform und Fütterung kann dieser Abrieb bis zu etwa drei Millimeter im Jahr ausmachen. Ist die Kunde abgerieben, bleibt für einige Zeit noch eine Kundenspur als Rest der Kunde sichtbar, so zeigen sich Kundenspuren im Oberkiefer bis etwa zum 15. Lebensjahr. Nach weiterer Abnutzung zeigt sich nur nach eine Kernspur auf der Kaufläche. Zwischen einer Kunde und einer Kernspur kann recht einfach unterschieden werden: Die Kunde liegt leicht erhaben oberhalb der Kaufläche, man kann daher bei Kunden einen kleinen Absatz spüren, während die Kernspur auf einem Niveau mit der Kaufläche liegt und keinen Absatz aufweist.

Entwicklungsstufen:

Grafik: Zahnentwicklung, Stufe 1  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf1. Entwicklungsstufe:

Etwa ab dem 100. Tag der Trächtigkeit beginnt die Ausbildung der Zahnknospen, knochenbildender Zysten, in Richtung der Maulhöhle.

Grafik: Zahnentwicklung, Stufe 2  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf2. Entwicklungsstufe:

Unterhalb des Zahnfleischs ist eine differenzierte Zahnanlage erkennbar, Beginn der Bildung des Dentin, gefolgt von der Zahnschmelzbildung. Kurz vor dem Durchbruch Ausbildung der Zahnwurzel.

Grafik: Zahnentwicklung, Stufe 3  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf3. Entwicklungsstufe:

Durch kontinuierliche Verlängerung der Zahnwurzel steigt der Druck von innen auf die Maulschleimhaut, die Maulschleimhaut bildet sich zurück (atrophiert) und wird vom Zahn durchbrochen. Die den Zahn jetzt umfassende Maulschleimhaut wird als Zahnfleisch bezeichnet.

 

Grafik: Zahnentwicklung, Stufe 4  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf4. Entwicklungsstufe:

Nach dem Durchbruch weiteres Wachstum bis auf das Niveau der Kauflächen, erster Gegenbiss (Kontakt mit dem gegenüberliegenden Zahn). Bei jungen, bleibenden Zähne ist die Oberfläche noch mit Zahnzement überzogen.

Grafik: Zahnentwicklung, Stufe 5  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf5. Entwicklungsstufe:

Weiteres Wachstum bis zum endgültigen Kontakt mit dem gegenüberliegenden Zahn.

Beim Zahnwechsel wird durch den nachwachsenden, bleibenden Zahn (auch als Ersatzzahn bezeichnet) die Bildung von Osteoklasten (mehrkernige Zellen mit der Hauptaufgabe, Knochensubstanz zu resorbieren). Diese Osteoklasten zerstören die Wurzel des Milchzahns und lösen dessen Knochenseptum auf. Der Restanteil des Milchzahns wird herausgeschoben.

Grafik: Zahnentwicklung, Stufe 6  |  (c) Ride4Fun.de - M. Graf6. Entwicklungsstufe:

Weiteres Wachstum bis zum endgültigen Kontakt mit dem gegenüberliegenden Zahn.

Beim Zahnwechsel wird durch den nachwachsenden, bleibenden Zahn (auch als Ersatzzahn bezeichnet) die Bildung von Osteoklasten (mehrkernige Zellen mit der Hauptaufgabe, Knochensubstanz zu resorbieren). Diese Osteoklasten zerstören die Wurzel des Milchzahns und lösen dessen Knochenseptum auf. Der Restanteil des Milchzahns wird herausgeschoben.





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