Skelett
Das Skelett besteht bei einem Pferd aus rund 215 einzelnen Knochen. Davon sind rund 10%, hauptsächlich im Bereich des Schädels, miteinander verwachsen. Der Rest ist gelenkig verbunden. Die Anbindung zu den Muskeln erfolgt über Sehnen, Bänder stabilisieren die Gelenke. Der überwiegende Teil der Knochensubstanz ist sehr gut durchblutet und das in den Knochen enthaltene Knochenmark bildet Blutbestandteile. Unterteilt wird das Gebäude eines Pferdes in Schädel, Stammskelett, Rippen und Gliedmaßen. Beim Schädel ist dem zum Oberschädel gehörenden Nasenbein besondere Beachtung zu schenken. Wie auf der Zeichnung zu erkennen ist, handelt es sich hier um einen langen und schmalen Knochen, welcher gerade bei falscher Zäumung sehr schnell Schmerzen verursachen oder auch Schaden nehmen kann. Reiter sollten zudem einen Blick auf die Wirbelsäule werfen, dasshier das eigentliche Gewicht, also der Reiter, getragen wird. Sieben Halswirbel, 18 Brustwirbel, sechs bis sieben Lendenwirbel, zwischen drei und fünf Kreuzwirbel und dazu 15 bis 21 Schweifwirbel bilden diese Konstruktion. Die Halswirbelsäule ist in alle Richtungen sehr gut beweglich. Nahezu unbeweglich ist dagegen die Brustwirbelsäule, an deren 18 einzelnen Wirbeln jeweils links und rechts eine Rippe angesetzt ist. | Die Rippen bestehen aus dem oberen, mit den Wirbeln gelenkig verbundenem Rippenknochen und dem unteren Rippenknorpel. Diese 18 Rippenpaare werden unterschieden in die vorderen acht echten Rippen, welche auch als Tragrippen bezeichnet werden, und die hinteren zehn falschen Rippen, welche auch als Atmungsrippen bekannt sind. Die ersten acht Rippenpaare sind mit dem Brustbein verwachsen und stehen fast senkrecht unter der Wirbelsäule. Die hinteren zehn Rippenpaare stehen schräg zur Wirbelsäule, die Rippenknorpel dieser Rippen laufen in den Rippenbogen zusammen. Die Knorpelverbindungen sind hier sehr elastisch, um die Atembewegung zu ermöglichen. Das Brustbein wird aus den fest miteinander verbundenen Brustbeinkörpern gebildet, auf der Stirnseite des Brustbeins sitzt ein knorpeliger Fortsatz. Die Lendenwirbelsäule verfügt über noch geringeren Bewegungsspielraum als die Brustwirbelsäule. Die anschließenden Kreuzwirbel sind fest verwachsen und bilden das Kreuzbein. Frei beweglich sind dann wieder die hinter dem Kreuzbein liegenden Schweifwirbel. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Ab dem zweiten Halsgelenk sind alle Wirbel mit Bandscheiben, einem knorpeligem Bindegewebe, untereinander verbunden. Mit Bändern entlang der Wirbelsäule wird diese zusammengehalten. Das lange Nackenband verläuft hier vom Hinterhaupt aus über alle Dornfortsätze der Wirbel bis zum Widerrist, wo es in das doppelte Nackenband überläuft. Allein dieses Band ermöglicht es einem Pferd, seinen schweren Körper ohne Kraftaufwand zu tragen, was man unter anderem beobachten kann, wenn ein Pferd im Stehen schläft, wobei das Nackenband den Kopf hält. Senkt das Pferd seinen Kopf und spannt damit das Nackenband durch verkürzen an, erhöht es mit diesem Verhalten die Tragfähigkeit der Wirbelsäule. Im Zusammenspiel mit einer Vielzahl kurzer Bänder zwischen den Wirbeln ergibt sich eine geniale Konstruktion, bei der die vorderen und hinteren Gliedmaßen als Stützen dienen und dem Pferd erheblich höhere Traglasten als vergleichbaren Wirbeltieren ermöglicht. Schulterblatt, Oberarm, Ellbogen, die Vordermittelfußknochen, Fesselbein, Kronbein, Hufbein und das Strahlbein bilden die Vorhand. Die einzelnen Knochen werden mittels Schulter-, Ellbogen-, Vorderfußwurzel-, Fessel-, Kron- und Hufgelenk sowie den dazugehörigen Sehnen und Bändern beweglich verbunden. Die Vorderbeine lassen sich mit den Armen bei Menschen vergleichen, allerdings fehlt Pferden das Schlüsselbein, wodurch die Vorhand beweglich mit dem Stammskelett verbunden ist. Das früher vorhandene Schlüsselbein degenerierte im Verlauf der Pferdeevolution zu einem fast nicht mehr sichtbaren Sehnenstreifen. |
Die Hinterbeine bestehen aus dem Oberschenkelbein, Schien- und Wadenbein sowie dem hinteren Mittelfußknochen, danach folgende Knochen entsprechend denen der Vorhand. Als Gelenke finden sich das Hüftgelenk, Knie- und Sprunggelenk, gefolgt von den gleichen Gelenken wie bei der Vorhand. Das Oberschenkelbein stellt den größten Röhrenknochen im Pferdeskelett dar und bildet zugleich den stärksten Hebel im Bewegungsapparat. Auch beim Menschen ist der Oberschenkelknochen der stärkste und längste Knochen, bei einem 1,80m großen Menschen erreicht er eine Länge von rund 50cm, also mehr als 25% der gesamten Körpergröße. Auf den Menschen bezogen, entsprechen die Knochen und Gelenke unterhalb des Beckens den Beinen. Das Becken besteht aus den zwei Hüftbeinen, welche sich jeweils aus Darmbein, Schambein und Sitzbein zusammensetzen und stellt eine feste Verbindung der Hinterhand mit dem Stammskelett her. Die Knochen des Hirnschädels, des Angesichtsschädels und des Unterkiefers bilden das Kopfskelett. Durch die hier gebildete Schädelhöhle wird das Gehirn umschlossen und geschützt. Anders als beim Menschen nimmt der Angesichtsschädel einen weitaus größeren Raum ein. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die Hufe entstanden im Laufe der Evolution aus anfänglich vier Zehen, von welchen heutzutage nur noch die Mittelzehe erhalten ist. Die zurückgebildeten Außenzehen kann man noch in den Griffelbeinen am Mittelfußknochen erkennen. Aufgrund der Hufe ordnet man Pferde korrekt in die Familie der Säugetiere, Ordnung der Huftiere mit Unterordnung Unpaarhufer ein. Bei Unpaarhufern handelt es sich um alle vierbeinigen Tiere, bei denen lediglich eine vom Huf umfasste Mittelzehe den Boden berührt. Vergleicht man die Gliedmaßen des Pferdes mit den Gliedmaßen eines Menschen, so entspricht das Vorderfußwurzelgelenk (3) dem Handwurzelgelenk des Menschen (4), bzw. das Sprunggelenk der Hinterhand dem Fußknöchel. Unterhalb des Vorderfußwurzelgelenks befinden sich beim Pferd die Vordermittelfußknochen (5 / 6), welche den menschlichen Mittelhand- bzw. Mittelfußknochen entsprechen. Beim Menschen sind die Mittelhandknochen in fünf Strahlen (Phalangen) ausgebildet, medial (zur Körpermitte hin) der Erste Strahl (Daumen) und lateral (seitlich) der Fünfte (kleiner Finger). Beim Pferd ist dagegen nur der dritte Strahl (Mensch: Mittelfinger) als Mittelhandknochen voll entwickelt, der zweite und vierte Strahl sind nur rudimentär vorhanden. Dieser voll entwickelte, dritte Strahl wird auch als Röhrbein bezeichnet, der zweite und vierte Strahl als Griffelbeine. Somit finden sich beim Pferd insgesamt vier Röhrbeine und acht Griffelbeine. Unterhalb des Fesselgelenks (7) folgen beim Pferd das Fesselbein (8), Krongelenk (9), Kronbein (10) und Hufgelenk (11). Diese entsprechen einer im Laufe der Evolution modifizierten Form der mittleren Finger- bzw. Zehenknochen beim Menschen. Der Huf (12) ist vergleichbar mit den Finger- oder Zehennägeln. | ![]() | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Vergleich der Gliedmaßen | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Der Aufbau des Skeletts ist bei Pferden und Menschen sehr ähnlich. So haben sie wie alle Wirbeltiere sieben Halswirbel und vier Gliedmaßen. Zudem eine Wirbelsäule, welche den Kopf, die Brust, den Bauchraum und alle Gliedmaßen verbindet, stützt und trägt. Ein entscheidender Unterschied ist die Tatsache, dass beim Pferd während der Evolution die Mittelhand- und Fingerknochen (bzw. an der Hinterhand die Mittelfuß- und Zehenknochen) extrem verlängert wurden, um die für ein Fluchttier erforderlichen, hohen Geschwindigkeiten zu erzielen. Dabei ist allerdings die Beweglichkeit der Fingerknochen verloren gegangen. Die Grafiken rechts und unten zeigen die Gemeinsamkeiten des Skeletts eines Pferdes und eines Menschen im direkten Vergleich. | ![]() | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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