Hufe


Ohne Huf kein Pferd, dieses geflügelte Wort sagt mehr über eines der wichtigsten Körperbestandteile des Pferdes aus, als man vermutet.

Als Fluchttier ist das Pferde immer auf die volle Funktionalität seiner Hufe angewiesen. Nur ein Pferd, welches sicher und auch schmerzfrei auf den Hufen steht, kann seine ganze Leistung erbringen. Daher sollte jeder Reiter der Pflege und Kontrolle der Hufe ein hohes Maß an Beachtung schenken, zumal sich der Aufwand bei täglicher Pflege in minimalen Grenzen hält und schwerwiegenden Erkrankungen vorbeugt.

Der Huf von außen
1 Fesselgelenk
2 Fessel
3 Kronsaum
4 Zehenwand
5 Tragrand
6 Seitenwand
7 Trachtenwand
8 Ballen

Die unteren Extremitäten bei Pferden sind grundsätzlich modifizierte Zehen. Im Laufe der Evolution bildeten sich von ursprünglich fünf Zehen vier zurück. Diese sind noch teilweise an den Griffelbeinen am Mittelfußknochen zu erkennen. Die übriggebliebene, mittlere Zehe berührt nur noch mit der Spitze den Boden. Im Verhältnis zum Körpergewicht ist die Fläche, mit welcher ein Pferd auffußt recht klein. Ebenfalls im Laufe der Entwicklung wurde das Hufhorn immer härter und unnachgiebiger, um dem ständig ansteigenden Gewicht standzuhalten.

Der schichtweise aufgebaute Huf wird von der festen Hornkapsel umschlossen. In der Mitte liegt das Hufbein, an dem sich nach oben das Kronbein anschließt, gefolgt vom Fesselbein und dessen Anschluß an den Hauptmittelfußknochen. Im Winkel zwischen Huf- und Kronbein findet sich das Strahlbein. Die Knochen sind mit Ausnahme des Gelenkbereichs von stark durchbluteter, schmerzempfindlicher Knochenhaut (Periost) überzogen. Im Bereich der Gelenke wird die Knochenhaut durch Gelenkknorpel ersetzt.

Der Huf im Schnitt
1 Hauptmittelfußknochen
2 Strecksehne
3 Fesselbein
4 Kronbein
5 Hufbein
6 Huflederhaut
7 Hornwand
8 Hufsohle
9 Hufpolster
10 Strahlbein
11 Tiefe Beugesehne
12 Oberflächliche Beugesehne

Der Hornschuh ist ein Bestandteil der Haut, die eng auf der Knochenhaut liegt, aber hier keine Haare, sondern Horn für den Huf produziert. Das Strahl- und Ballenpolster besteht aus einer abgewandelten Form des Unterhautbindegewebes und dient zum Abfangen kurzer, harter Stöße, die senkrecht auf den Huf einwirken. Die Muskeln sind über Sehnen angesetzt und bewirken hinten das Beugen und vorne das Strecken des Hufgelenks. Das Fesselbein wird im Zusammenspiel mit den beiden Gleichbeinen über das Fesselgelenk mit dem Röhrbein verbunden, entsprechend einer Verbindung vom Mittelfuß mit der Zehe. Dem Fesselgelenk obliegt auch eine stoßbrechende Wirkung. Bei korrekter Hufstellung verlaufen Fesselgelenk, Kronbein und Hufbein in einer fast geraden Linie.

Die Hornkapsel wird durch die Lederhaut gebildet. In dieser Lederhaut werden permanent Zellen der oberen Zellschicht neu produziert, die langsam verhornen. Durch die ständige Bildung neuer Zellen wird das Horn nach unten verdrängt und mittels Bewegung abgelaufen. Unter normalen Umständen in freier Natur besteht ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Hornbildung und Abnutzung, welches allerdings bei Pferdehaltung nicht mehr gegeben ist und den Einsatz eines Hufschmieds erfordert, um starke Abnutzung mittels Beschlag zu verhindern oder den Huf bei übermäßiger Hornbildung beizuschneiden.

Der Hornschuh sitzt mittels der Lamellen an der Hornwand und den Zotten am Kron- und Saumrand sowie an der Sohlenfläche und am Strahl fest an der Huflederhaut. Diese Bestandteile des Hufs bilden verschiedene Horngebilde, aus deren Zusammensetzung die Hornkapsel besteht. Zu diesen Bestandteilen gehören:

Die Kronlederhaut, die den Kronwulst überzieht und die dicke Schicht des Wandhorns ausbildet. Sie besteht aus samtartigen Zotten, aus welchen das Röhrchenhorn entsteht. Zwischen diesen Röhrchen liegt als Bindesubstanz das Zwischenröhrchenhorn. Das Röhrchenhorn findet sich auch auf der Hufsohle, ausgenommen ist nur ein Teil der Eckstrebenwand. Hier entsteht Blättchenhorn.

Die Wandlederhaut, welche aus mehreren hundert Lamellen besteht, zwischen denen das unpigmentierte Blättchenhorn gebildet wird. Unterhalb des Blättchenhorns liegt das Röhrchenhorn, wodurch das Wandhorn fest mit der Lamellenstruktur verbunden wird. Die Verbindung des Sohlen- und Wandhorns erfolgt zum einen durch das Blättchenhorn und zum anderen mittels einer Hornsubstanz, die am Sohlenrand produziert wird.

Die Saumlederhaut, von der ein dünner, hochglänzender Überzug der Hornkapsel gebildet wird, die Glasurschicht.

Der Tragrand, der aus der dicken Röhrchenschicht und dünnen Blättchenschicht der Hornwand besteht. Die Blättchenschicht zeigt sich auf der Sohle als die markante weiße Linie. Vom Tragrand aus zur Mitte hin spannt sich die kuppelförmige Sohle. Von hinten schiebt sich der Hornstrahl wie ein Keil in die Sohle. Neben der Schutzfunktion leitet die Sohle auch die einwirkenden Kräfte auf den Tragrand und den Strahl um.

Korrekte Hufstellung
Spitzgewinkelter Huf
Stumpfgewinkelter Huf
Bockhuf (Bärentatzig)
Weitere wichtige Bestandteile im Aufbau des Hufes sind:

Das Strahlpolster:
Es füllt den Bereich der Ballengrube aus und besteht aus einem Stoßdämpfenden, faserigem Bindegewebe.

Die Hufbeinkappe:
Ein Knochenansatz am oberen Vorderrand, an dem die Strecksehne angesetzt ist.

Die Hufrolle:
Sie besteht aus dem Strahlbein als Gleitfläche, dem darüber liegenden Teil der tiefen Beugesehne und dem dazwischen liegenden Hufrollenschleimbeutel.

Die Hufbeinäste:
An diesen dünnen Knochenfortsätzen sitzen die Hufknorpel an.

Das Strahlbein:
Dieser Knochen vergrößert die Fläche des Hufgelenks und bietet der tiefen Beugesehne eine glatte Gleitfläche.

Die Kronbeinlehne:
Dient zu Vergrößerung der Gelenkfläche am Krongelenk und als Ansatz der oberflächlichen Beugesehne und des Fesselträgers.

Der Hufknorpel:
Diese decken das Hufgelenk seitlich ab und stellen die Grundlage für die Ballen dar.

Schichtaufbau des Hufs
1 Röhrchenhorn von Stratum medium
2 Saumlederhau (Corium limbi)
3 Mittel- oder Schutzschicht (Stratum medium)
4 Verbindungsschicht (Stratum internum)
5 Wandlederhaut (Corium parietis)
6 Zehenglied (Phalanx digitalis)
Der Huf von unten
1 Strahlgrube
2 Trachten
3 Strahl
4 Strahlspitze
5 Weiße Linie
6 Hornwand
7 Zehe
8 Sohlen / Tragrand
9 Hornsohle
10 Eckstreben
11 Ballen
Bestandteile des Hufs und ihre lateinischen Fachbegriffe
Zentrale Stützelemente:
Bänder
Hufbein Os ungulare
Kronbein Os compedale
Hufknorpel Cartilago ungularis medialis und lateralis
Schleimbeutel Bursa podotrochlearis
Hautschichten:
Schichten: Mit den Segmenten:
Hufoberhaut Epidermis ungulae Epidermis limbi Saumoberhaut
Epidermis coronae Kronoberhaut
Epidermis parietis Wandoberhaut
Epidermis solea Sohlenoberhaut
Epidermis cunei Strahloberhaut
Epidermis tori Ballenoberhaut
Huflederhaut Corium ungulae Corium limbi Saumlederhaut
Corium coronae Kronlederhaut
Corium parietis Wandlederhaut
Corium solea Sohlenlederhaut
Corium cunei Strahllederhaut
Corium tori Ballenlederhaut
Hufunterhaut Tela subcutanea ungulae Tela subcutanea limbi Saumunterhaut
Tela subcutanea coronae Kronunterhaut
Tela subcutanea cunei Strahlunterhaut
Tela subcutanea tori Ballenunterhaut
Tela subcutanea digitalis Zehenunterhaut
Hufsegmente:
Hufsaum Limbus ungulae
Hufkrone Corona ungulae
Hufwand Paries ungulae
Hufsohle Solea ungulae
Hufstrahl Cuneus ungulae
Hufballen Torus ungulae
Hufplatte:
Deck- oder Glasurschicht Stratum externum Epinychium
Mittel- oder Schutzschicht Stratum medium Mesonychium
Verbindungsschicht Stratum internum Hyponychium