Blutkreislauf
Der Blutkreislauf dient zur Versorgung der einzelnen Zellen des Körpers mit Sauerstoff, Wasser, Nährstoffen, Salzen, Mineralien, Vitaminen und Hormonen. Im Blut erreichen auch Medikamente, körpereigene Antikörper und Abwehrstoffe und Enzyme ihren Bestimmungsort im Körper. Stoffwechselprodukte der Zellen wie etwa das Kohlendioxid werden mit Hilfe des Blutkreislaufs abgeführt. | Der Blutkreislauf besteht grundlegend aus einem System von Arterien, Venen und deren Kapillargefäßen. Das Herz dient als Pumpe, um den Blutkreislauf aufrecht zu erhalten. Die Grafik zeigt schematisch die wichtigsten Blutbahnen auf. Rote Blutbahnen kennzeichnen hier die Arterien, blaue die Venen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Das Herz sorgt ständig für eine leistungsabhängige Zufuhr von Blut zu den einzelnen Zellen, Organen und Körperteilen. Im Schnitt wiegt dieser Hohlmuskel bei einem ausgewachsenen Pferd rund 3000 Gramm, im Bezug auf die Gesamtmasse des Tieres macht das Herz allein zwischen 0,7% und 1,6% aus. Die mittlere Auswurfleistung (Schlagvolumen) liegt bei einem rund 500kg schweren Pferd bei etwa 850ml je Herzschlag, bei einem Puls von 34 Schlägen ergibt sich somit ein Herzminuten- volumen von 28,9 Litern. Zum Vergleich: Ein gesunder Mensch bringt es bei 70kg Körpergewicht auf ein Herzminutenvolumen von etwa 5 Litern. Wird dem Pferd Leistung abverlangt, steigert sich die Leistung des Herzens auf ein Vielfaches. Das Herz arbeitet selbsttätig, es verfügt über eine so genannte Autorhythmie. Der zentrale Schrittmacher ist der Sinusknoten. Dieser findet sich im rechten Vorhof im Bereich der oberen Hohlvene. Die Zellen des Sinusknotens verfügen über die Eigenschaft, durch ein Zusammenspiel der chemischen Elemente Natrium und Calcium elektrische Impulse zu erzeugen. Vom Sinusknoten aus gelangen diese Impulse über den Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) und das His´sche Bündel (auch: His-Bündel) zu den Purkinje-Fäden. Die Purkinje-Fäden verteilen die Impulse über das Herzmuskelgewebe (Myocard) und reizen dieses so zu einer Kontraktion (Zusammenziehung). Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass es sich bei diesem so genannten Erregungsleitungssystem nicht um Nervenstränge, sondern um abgewandelte Muskelfasern handelt. Die eigentliche Herzfunktion ist daher nicht neuronal sondern muskulär bedingt. Die elektrische Erregung des Herzens lässt sich mit einem Elektrkardiogramm (EKG) visuell darstellen. Verschiedene Störungen oder Erkrankungen im Bereich des Herzens lassen sich so erkennen. | Bei der Tätigkeit des Herzens lassen sich zwei Zustände unterscheiden: Die Systole und die Diastole. Die Systole kennzeichnet die rhythmische Kontraktion des Hohlmuskels, also die eigentliche, dem Blutauswurf dienende Pumpleistung des Herzens, die Diastole dagegen die Ruhe- oder Erschlaffungsphase des Herzmuskels. Die Systole folgt immer auf eine Diastole. Diese Begriffe finden sich auch bei der Messung des Blutdrucks wieder: Die gemessenen Werte beziehen sich auf den systolischen bzw. diastolischen Druck. Der Blutdruck kennzeichnet allgemein den in allen Gefäßen des Körper- und Lungenkreislaufs herrschenden, so genannten intravasalen Druck des Blutes. Der systolische Blutdruck ist der aus einer Systole des Herzmuskels entstehende Höchstwert des Blutdrucks, der diastolische Blutdruck der während einer Diastole des Herzmuskels aufrecht erhaltene Blutdruck. So bedeutet zum Beispiel die Angabe: Blutdruck 170 zu 125 einen systolischen Blutdruck von 170mmHg und einen diastolischen Blutdruck von 125mmHg. Die Maßeinheit ist beim Blutdruck immer mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) oder Torr (1 Torr = 1mmHg). Die Blutdruckmessung ist übrigens die einzige Messung, bei welcher diese Einheit noch Verwendung findet. Ansonsten ist Torr aus dem Internationalen Einheitensystem verschwunden. Kleine Anmerkung: Die erste Messung des Blutdruckes in der Geschichte der Medizin fand übrigens an einem Pferd statt: Im Jahre 1726 nahm der englische Geistliche Stephan Hales eine Blutdruckmessung (im weitesten Sinne...) mit einem Glassteigerohr an einem Pferd vor. Gemessen wird der Blutdruck entweder indirekt (= unblutig) oder direkt (= blutig / operativ). Bei einer indirekten Messung wird eine Manschette genutzt, mit deren Hilfe ein Gegendruck aufgebaut und der Blutfluss gestaut wird. An der Manschette ist ein Manometer (Druckmessgerät) angebracht, welches den Gegendruck der Manschette in mmHg (Torr) anzeigt. Mit einem Stethoskop können die Pulsgeräusche unterhalb des gestauten Blutgefäßes abgehört werden. Der obere (systolische) Blutdruck ist in dem Moment gemessen, wenn beim langsamen Ablassen des Manschettendrucks das Pulsgeräusch zum ersten mal zu hören ist, der untere (diastolische) Wert entspricht dem Manschettendruck, wenn der letzte Pulston zu hören ist. Bei einer operativen (blutigen) Messung wird ein Zugang direkt in eine Arterie gelegt und der Blutdruck über diesen Zugang in der Arterie gemessen. Diese Form der Blutdruckmessung wird bei Pferden fast nur in Kliniken eingesetzt. Die Möglichkeit, den Blutdruck unblutig bestimmen zu können, verdanken wir übrigens dem italienischen Arzt Scipione Riva-Rocci (1863 - 1937), der ab etwa 1890 mit der Entwicklung eines Vorgängers der heute bekannten Blutdruckmessgeräte begann. Zu seinen Ehren spricht man immer noch von "RR" (Riva-Rocci), wenn man den Blutdruck meint. Neben der Blutdruckmessung ist ein weiterer wichtiger Messwert im Bezug auf das Herz-Kreislaufsystem der Puls: Der Ruhepuls liegt bei einem gesunden Pferd zwischen etwa 30 und 45 Herzschlägen in der Minute, unter Belastung sind Werte von bis zu 240 Herzschlägen / Minute möglich. Der Puls wird an einer dicht unter der Haut liegenden Arterie gefühlt (palpatorisch) oder mit einem Stethoskop als Herzton abgehört (kultatorisch). Es gibt verschiedene Punkte bei einem Pferd, um den Puls zu fühlen:
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EKG-Ableitung beim Pferd:
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Wie bereits oben angemerkt, versorgt das Herz im Zusammenspiel mit dem Blutkreislauf den Organismus leistungsabhängig. Dies bezieht sich nicht nur auf die körperliche Leistung, die das Pferd erbringt: Die bei einem erwachsenen Tier rund 40 Liter Blut werden auch an verschiedene Organe je nach Bedarf verteilt. Bei der Aufnahme und Verwertung von Futter wird so der Verdauungstrakt stärker durchblutet als normal, die Durchblutung der Haut hängt von der Körper- und Umgebungstemperatur ab. Die körperliche Leistung wirkt sich primär auf die Durchblutung der Muskulatur aus. Bei hoher und länger andauernder Leistung kann sich die Durchblutung der beanspruchten Muskelpartien um den Faktor 10 erhöhen. Bei tragenden Stuten hängt die Durchblutung des Uterus zum Beispiel vom Stadium der Trächtigkeit ab. Fast ohne erkennbare Schwankungen werden Gehirn und Nieren versorgt. Diese beiden Organe sind auf eine ständige Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff angewiesen. Bemerkenswert ist beim Herz ein mechanischer Wirkungsgrad von bis zu 25%. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Weitere Teile des Blutkreislaufs sind: Die Arterien führen das sauerstoffreiche Blut (Ausnahme: Lungenkreislauf). Ausgehend von der linken Herzkammer gelangt das Blut über die Aorta in den Körperkreislauf. Die Aorta verzweigt sich, um im vorderen Bereich des Körpers zum Beispiel Hals, Kopf und Vorderhand, im hinteren Bereich Magen, Darm, Leber, Milz oder Hinterhand zu versorgen. Zum Ende hin werden die Arterien immer kleiner, bedingt durch ihre immer stärkeren Verzweigungen steigt allerdings der Gesamtquerschnitt an. Dieser Umstand ruft einen nachlassenden Blutdruck und sinkende Strömungsgeschwindigkeiten in den Gefäßen hervor. Die Wandstärke der Arterien verringert sich, sie enden in feinsten Haargefäßen (Kapillaren) um das umgebende Gewebe zu versorgen. In diesen Kapillaren findet der Austausch von Sauerstoff mit Kohlendioxid und Nährstoffen mit Stoffwechselprodukten statt. Die Venen führen sauerstoffarmes Blut (Ausnahme auch hier: Der Lungenkreislauf). Die venösen Kapillargefäße nehmen die Stoffwechselprodukte auf. Wie bei den Arterien vergrößert sich der Querschnitt der Venen, je weiter diese von den Kapillargefäßen entfernt liegen. Hinter den Kapillargefäßen steigt die Wandstärke der Venen wieder an. Das venöse Blut strömt in Richtung Herz. Um Rückflüsse und Stauungen zu verhindern, sitzen an den Gefäßwänden, beispielsweise in den großen Venen der Vorder- und Hinterhand, die Venenklappen. Diese Klappen sind nötig, da das Herz nur druckseitig wirkt, aber keine Saugleistung aufweist. Das venöse Blut wird vom Herzen nicht angesaugt, sondern muss praktisch von selbst in die rechte Vorkammer fließen. Die Venen sammeln sich in der Brusthöhle in den großen Hohlvenen. Die Hohlvenen münden in der rechten Vorkammer des Herzens. Der Durchmesser dieser Blutgefäße beträgt bei Pferden rund 40mm. | Der Lungenkreislauf wird auch als kleiner Blutkreislauf bezeichnet. Im Gegensatz zum großen (Körper-) Kreislauf führen die Lungenarterien sauerstoffarmes, die Lungenvenen sauerstoffreiches Blut. Man sollte aus diesem Grund bei Arterien von Gefäßen sprechen, bei denen die Strömung des Blutes vom Herzen ausgeht, bei Venen von Gefäßen, bei denen die Blutströmung zum Herzen hin zielt. Die Lungenarterie leitet das venöse Blut aus der rechten Herzkammer zu den beiden Lungenflügeln. Auch hier enden die Gefäße in Kapillaren. Die Lungenkapillare sitzen an den Lungenbläschen (Alveolen, Alveolis pulmonis). In den Alveolen findet der Gasaustausch von Kohlenmonoxid und Sauerstoff statt. Von der Lunge aus gelang das sauerstoffreiche Blut über die Lungenvene zurück zur linken Herzvorkammer. Der Lungenkreislauf verbindet somit die rechte Herzseite über die Lunge mit der linken Herzseite. Dieser kleine Blutkreislauf arbeitet daher nicht parallel zum großen Körperkreislauf sondern folgt diesem nach. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die Grafik unten zeigt einen schematischen Schnitt durch das Herz mit den einzelnen Bestandteilen: | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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