Augen


Die Augen der Pferde als eines der wichtigsten Sinnesorgane weisen einen mittleren Durchmesser von rund 50mm auf. Das Auge ist nicht exakt kreisförmig, der horizontale Durchmesser ist im Gegensatz zum vertikalen einige Millimeter länger, dadurch entsteht ein leicht gestaucht wirkender Eindruck.

Der Grundaufbau besteht aus drei Schichten, welche in die äußere, mittlere und innere Augenhaut unterteilt werden:

Die innere Augenhaut (Retina), auch Netzhaut (b), genannt, bildet zusammen mit dem Sehnerv (f) die Schnittstelle zum Gehirn. Auf der Netzhaut befinden sich stab- und zapfenförmige Sinneszellen die im Zusammenspiel mit einer Vielzahl weitere Nervenzellen die durch Licht- einfluß ausgelösten Reize ausfiltern und durch den Sehnerv zum Gehirn weiterleiten. Der Punkt, an welchem der Sehnerv in die Netzhaut eindringt, wird als der Blinde Fleck (g) bezeichnet. An dieser Stelle der Netzhaut werden keine Lichteinflüße verarbeitet.

Pferde können in der Dämmerung besser sehen als der Mensch. Dies gelingt durch Fasern hinter der Netzhaut, die Guaninkristalle enthalten. An diesen Kristallstrukturen wird ein Teil des eintreffenden Lichts reflektiert und trifft so verstärkt auf die Sinneszellen. Diesen Effekt trifft man auch bei vielen anderen Tierarten an, besonders ausgeprägt zum Beispiel bei nachtaktiven Raubkatzen.

Die mittlere Augenhaut wird auch als Aderhaut bezeichnet. Sie bildet die seitliche Befestigung (Ziliarkörper, (r)) für die Linse (e) und umfasst als Regenbogenhaut (Iris, (c)) die Pupille (m). Auf der rückwärtigen Hälfte verfügt die mittlere Adernhaut über großflächige Blutgefäße und Pigmentzellen.

Die ebenfalls leicht ovale, gestaucht wirkende Form der Pupille wird durch Zellen aus Nervenmuskelgewebe verursacht, die in dieser Richtung vorgespannt sind. Nur bei toten Pferden geht die Pupillenform wieder in eine Kreisform über. Die Konturen der Pupille verschwimmen häufig durch so genannte Traubenkörner (l), es handelt sich hierbei um normale Wucherungen der Netzhaut.


Die äußere Augenhaut (Sclera) besteht aus Bindegewebszellen, die an ihrer Vorderseite zur Hornhaut (Cornea (n)) ausgebildet werden.

Den inneren Bereich des Augapfels füllt zum größten Teil der mit Flüssigkeit gefüllte Glaskörper (a) aus. Der Augeninnendruck wird vom Flüssigkeitsgehalt des Glaskörpers bestimmt.

Weiter vorne liegen die vordere (k) und hintere (d) Augenkammer. Diese Kammern werden von der Regenbogenhaut teilweise voneinander getrennt. Hinter den Augenkammern liegt die Linse (e), die mittels der Ziliarkörper befestig ist.

Die Linse läßt sich bei einem Pferd nur recht wenig akkomodieren, dass heißt, die durch Muskeln beeinflußbare Bewegung der Linse zum "Scharfstellen" eines Objektes ist nur in geringem Umfang möglich.

Die Hornhaut ist verhältnismäßig empfindlich und wird durch das obere (j) und untere (p) Augenlid geschützt. In den Augenlidern befinden sich die Haarwurzeln (o) für die Wimpern. Desweiteren verteilen die Augenlider die von der Tränendrüse (h) in den oberen Bindehautsack abgegebene Tränenflüssigkeit über die Fläche der Hornhaut.

Diese Tränenflüssigkeit fließt aus dem unteren Bindehautsack (q) in den Tränennasenkanal ab. Diese Abflußöffnung zeigt sich als dunkle, punktförmige Öffnung am nasenseitigen Ende des Augapfels. Der Tränenkanal mißt rund 25cm und endet im gleichseitigen Naseneingang.

Der Augapfel ist durch eine Vielzahl Muskeln enorm beweglich, das Pferd kann die Augen koordiniert bewegen. Zu diesen Muskeln gehören je ein gerader Muskel von jeder Seite der Augenhöhle aus im Zusammenspiel mit einem Kegelmuskel. Diese ermöglichen die Bewegung des Augapfels in alle Richtungen.

Innen- und Außenrotation des Augapfels werden durch den oberen schiefen und unteren schiefen Augenmuskel realisiert. Alle Muskeln arbeiten unabhängig voneinander und erlauben dem Pferd einen fast vollständigen Rundumblick.


Die Grafik unten zeigt einen schematischen Schnitt durch das Pferdeauge. Die Nickhaut, das dritte Augenlid mit dem Blinzknorpel, ist hier nicht aufgeführt. Die Nickhaut sitzt im nasenseitigen Augenwinkel und tritt nur bei einer Verlagerung des Augapfels nach innen (durch z.B. extern ausgeübten Druck) hervor.

a) Glaskörper
b) Netzhaut (Retina)
c) Regenbogenhaut (Iris)
d) Hintere Augenkammer
e) Linse
f) Sehnerv
g) Blinder Fleck
h) Tränendrüse
i) Bindehaut
j) Oberes Augenlid
k) Vordere Augenkammer
l) Traubenkörner
m) Pupille
n) Hornhaut (Cornea)
o) Haarwurzel / Wimpern
p) Unteres Augenlid
q) Bindehautsack
r) Ziliarkörper

Ober- und Unterlid sind in dieser Zeichnung in leicht geschlossenem Zustand dargestellt.


Die Nickhaut ist nicht abgebildet.

Schwarz-weiß oder in Farbe ?

Pferde können Farben unterscheiden. Im direkten Vergleich zum Menschen ist der für Pferde sichtbare Spektralbereich etwas kleiner:

Menschen können etwa in einem Bereich der Wellenlänge von 380nm bis 780nm "sehen", bei Pferden endet der Bereich sichtbaren Lichts bei etwa 600nm, das entspricht einem sehr hellen Grünton. Farben, die oberhalb dieser Wellenlänge liegen, (Cyan, Blau,...) sind für Pferde nicht mehr sichtbar. Die Angabe 600nm ist relativ vage und kann unter Umständen leicht variieren. Es gibt vereinzelt Studien, die diesen Wert als Endmarke nach oben verschieben wollen.

Kleiner Exkurs:

Der Begriff Wellenlänge leitet sich aus der Frequenz der elektromagnetischen Wellen ab. Nur innerhalb bestimmter Bereiche können Tier oder Mensch Licht sehen (und somit Farben erkennen). Liegt die Wellenlänge z.B. unterhalb von 380nm, spricht man von Ultravioletter Strahlung (UV), oberhalb von 780nm beginnt der Bereich der Infrarot-Strahlung (IR).

Vor der UV-Strahlung liegt die Röntgen- und davor die Gamma-Strahlung. Nach der IR-Strahlung folgt die Ultrakurzwellen (UKW), Kurzwellen (KW) und Langwellen (LW). Der sichtbare Bereich ist also nur ein sehr kleiner Teil auf der Skala der elektromagnetischen Wellen.

 

Bereiche des sichtbaren Lichts bei Pferd und Mensch

Das Sichtfeld:

Jedes Auge bei einem Pferd ist jeweils einer Sehachse zugeordnet. Diese Sehachsen divergieren in einem Winkel von 90° zueinander.

Lediglich in einem kleinen Feld vor dem Kopf (blauer Bereich) kann das Tier mit beiden Augen gemeinsam sehen, außerhalb dieses Feldes arbeiten die Augen eigenständig.

Pferde verfügen nahezu über einen 360° Rundumblick. Nur alles, was in einem toten Winkel hinter ihnen geschieht, können sie nicht wahrnehmen (roter Bereich).

Das Sichtfeld ist optimal für das Fluchttier Pferd. In der freien Wildbahn sind Pferd ständig daruf angewiesen, ihr Umfeld genau im Blickfeld zu haben. Daher die seitlich am Kopf angeordneten Augen: Mit nur kleinsten Bewegungen können Pferde sich einen vollen Rundumblick verschaffen, ohne dafür den Kopf drehen zu müssen.

Es kann vorkommen, dass Pferde scheuen oder sogar austreten oder steigen, wenn ihnen die Sicht genommen wird, ob bewußt oder unbewußt. Oder sie sich schlicht erschrecken:

Die Netzhaut ist im Verhältnis zur Kombination aus Pupille und Linse sehr groß. Dies bewirkt eine Vergrößerung der aufgenommenen Lichtreize, speziell derer, die mit einer Bewegung verbunden sind. Zudem kann, wie bereits weiter oben angeführt, die Linse bei Pferdeaugen nur schwach akkomodiert werden, was zu einer langsamen Fokussierung führt. Schnelle Bewegungen erscheinen den Tieren daher zunächst als verschwommene Erscheinungen. Interessant ist, dass Pferde auch in den Randbereichen der Netzhaut noch über gute Sehleistungen verfügen, im Gegensatz zum Menschen, bei dem dort die Sehleistung rapide abnimmt.

Bedingt durch den Umstand, dass die Augen im Gegensatz zum Menschen nicht stereoskopisch arbeiten, können Pferde nicht mit räumlicher Tiefe sehen, ohne diesen Tiefeneindruck fällt es schwer, Entfernungen genauer zu erfassen.

Die Tiere können nicht genau, besser gesagt: gar nicht sehen, was auf dem Boden vor ihren Hufen vorgeht, wenn sie den Kopf hoch tragen. Sehr viele Pferde reagieren dann (verständlicherweise) unsicher oder sie zögern.

Will das Pferd sehen, wo es läuft, muss es den Kopf senken oder diesen alternativ etwas angewinkelt schräg stellen. Das sieht dann bei einigen Reitweisen nicht "korrekt" aus. Dann sollte der Reiter sich mal die Augen verbinden lassen und ohne zu tasten eine schmale Treppe herunterstolpern. Das entspricht dann dem Feeling der Tiere ;-)

Aber bitte nicht dabei stolpern oder stürzen, das sieht dann auch nicht so ganz korrekt aus, sondern eher peinlich ...